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Klimakrise im ICE

Greta Thunberg postet aus einem überfüllten deutschen Zug. Daraufhin bricht ein Shitstorm gegen die Bahn aus. Die aber sagt: Greta sass in der 1. Klasse.

Dieses Foto stellte die 16-Jährige ins Netz. Foto: Greta Thunberg (Twitter)
Dieses Foto stellte die 16-Jährige ins Netz. Foto: Greta Thunberg (Twitter)

Strapaziöse Reisen ist Klima-aktivistin Greta Thunberg ja durchaus gewohnt, 20 Tage dauerte allein ihr Trip per Segelboot vom New Yorker Klimagipfel im Herbst zurück nach Europa. Erst Anfang Dezember kam die junge Schwedin in Portugal an. Mit dem Zug reiste sie gleich weiter zu den nächsten Klimaverhandlungen in Madrid und Ende vergangener Woche auch noch zu Protesten nach Turin. Hinter Thunberg also lagen Tausende Kilometer beschwerlicher Reise, als sich die junge Schwedin am vergangenen Samstag einer ganz eigenen Herausforderung stellen musste: der Deutschen Bahn.

Was sie auf ihrer Heimreise nach Schweden in Deutschland erlebte, erwischte Thunberg offenbar auf dem falschen Fuss. Sie sei zwar endlich auf dem Heimweg, postete die 16-Jährige bei Twitter. Allerdings «in überfüllten Zügen durch Deutschland», stand unter einem Foto, das sie sitzend neben etlichen Gepäckstücken im Gang eines ICE zeigt. Darüber die Eigenwerbung der Deutschen Bahn: «Einsteigen und geniessen.»

Viele Nutzer von Twitter reagierten amüsiert auf das Foto Thunbergs – denn Spott über die Bahn, Zugverspätungen und überfüllte Züge gibt es auf dem Nachrichtendienst viel. «Stell dich auf Verzögerungen ein», warnte jemand. Ein anderer: «Willkommen in Deutschland, der öffentliche Transport hier ist ein Chaos...»

Der Bahn war diese Publicity offenkundig ziemlich peinlich. Der Konzern entschuldigte sich öffentlich bei Thunberg, wünschte ihr eine gute Heimreise und versprach, «hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen» zu arbeiten.

Allerdings hatte die Bahn auch noch eine überraschende Erkenntnis parat. Denn nach Angaben des Unternehmens sass Thunberg wohl nicht ständig auf dem Boden. Sondern zumindest zeitweise auf einem Platz in der ersten Klasse.

Überfüllte Züge sind ein «grossartiges Zeichen»

«Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der ersten Klasse betreut worden bist», ätzte der Konzern gestern Mittag ebenfalls auf Twitter zurück. Darauf Thunberg: Ihr Zug ab Basel sei ausgefallen, weshalb sie im Anschluss in zwei verschiedenen Zügen auf dem Boden gesessen habe, twitterte sie. Hinter Göttingen habe sie schliesslich einen Sitzplatz erhalten. «Das ist natürlich kein Problem, und ich habe niemals gesagt, dass es eines wäre.» Vielmehr seien überfüllte Züge «ein grossartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Bahnreisen gross ist».

Zur Unzeit kommt die Aufregung um die schwedische Klimaaktivistin auf jeden Fall. Denn die Bahn warb just am Sonntag damit, dass es zum Fahrplanwechsel mehr Züge und Fahrten gebe.

Klimafreundliches Reisen werde so noch attraktiver.

Der bundeseigene Konzern spielt eine wichtige Rolle auch im Programm der deutschen Regierung für mehr Klimaschutz. Allerdings leidet die Bahn noch immer unter Verspätungen und Engpässen im Netz. Doch das soll anders werden. Die Bahn werde in den nächsten Jahren 12 Milliarden Euro ins Rollmaterial investieren, sagt Personenverkehrsvorstand Berthold Huber. Davon sollen 8,5 Milliarden in Züge für den Fern- und 2,7 Milliarden Euro in den Nahverkehr, etwa neue S-Bahnen, fliessen. So solle das Rollmaterial bis 2026 modernisiert werden.

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