Zum Hauptinhalt springen

Nach AnschuldigungenColonial Bar ändert ihren Namen

Der Name der Bar am Berner Kornhausplatz verharmlose die Kolonialzeit und die Folgen davon, fand ein Kollektiv. Der Betreiber von Adrianos Bar und Café beugt sich.

Die Bar Colonial gerät wegen ihres Namens in einen Shitstorm auf Social Media und entfernt den Namen an der Fassade.
Die Bar Colonial gerät wegen ihres Namens in einen Shitstorm auf Social Media und entfernt den Namen an der Fassade.
Foto: Adrian Moser

Seit Oktober 2016 existiert die Colonial-Bar am Kornhausplatz. Es ist das zweite Lokal von Adrian Iten, das erste ist das beliebte und etablierte Adrianos Café und Bar praktisch vis-à-vis.

Nun flatterte elektronische Post in sein Geschäft, das Iten mittlerweile mit drei Partnern führt. Das Kollektiv «Wort und laut», das sich gegen Diskriminierung stark mache, äussert auf der Plattform Instagram seinen Unmut über den Namen Colonial. Iten taufte das Lokal so, weil ums Jahr 1900 hier ein Kolonialwarengeschäft mit Kaffeerösterei stand. Das Kollektiv wittert allerdings dahinter eine Verharmlosung der Kolonialzeit.

Im Schreiben werfen die Absender die Frage auf, ob denn die Betreiber sich an den kolonialen Zeiten erfreuen. In diesen seien Tausende von Menschen ausgebeutet und missbraucht und getötet worden. «Viele Länder leiden noch immer unter den Folgen», heisst es weiter.

Das Schreiben in der vollen Länge:

Quelle: Screenshot Instagram
1 / 3

Auf Anfrage sagt Adrian Iten, die Buchstaben seien nun von der Fassade entfernt worden. «Man kann uns vorwerfen, dass wir unüberlegt waren. Wir wollen ja keine Traumata wecken», sagt er.

Den Handelsregistereintrag hingegen muss er nicht ändern, denn dieser läuft auf die Adrianos Bar und Café. Nach Rücksprache mit seinen Partnern Sascha Müller, Mathias Bühler und Evelyn Schneide wolle er keinen Reputationsschaden davontragen. Der neue Name sei noch nicht klar.

Aber er lässt durchblicken, dass es auch Zweifel gab: «Das Kollektiv kennt uns und unsere Werte nicht.» Doch gerade in Zeiten, in denen Städte in halb Amerika brennen und auch in Bern für das Anliegen «Black lives matter» demonstriert wird, will sich niemand Rassismus unterstellen lassen.