China hört die Signale

Warum die chinesische Führung keinen Anlass sieht, sich vor einer lang anhaltenden Auseinandersetzung mit den USA und Donald Trump zu fürchten.

Hält sein System für sicher: Chinas Präsident Xi Jinping. Foto: Reuters

Hält sein System für sicher: Chinas Präsident Xi Jinping. Foto: Reuters

Christoph Giesen@christophgiesen

Ein neuer Kampf der Systeme hat begonnen, man könnte fast sagen, es ist ein Kampf der Betriebssysteme: auf der einen Seite das autoritär geführte China, auf der anderen Seite die USA.

Doch statt um Ideologie geht es in diesem «kalten Krieg 2.0» vor allem um Technologie. US-Präsident Donald Trump hat verfügt, dass amerikanische Unternehmen nicht mehr an den chinesischen Telecom­ausrüster Huawei verkaufen dürfen. Bald soll es also keine Betriebssysteme mehr von Google für chinesische Smartphones geben, auch der Ausbau des Mobilfunkstandards 5G ist in Gefahr, weil keine Chips mehr geliefert werden. Die globalen Zulieferketten sind die künftigen Konfliktlinien.

Die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit ist der grosse Unterschied zum Kalten Krieg. Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gab es keinen nennenswerten wirtschaftlichen Austausch. Weniger als 0,25 Prozent machte der Handel mit dem Rivalen in der US-Bilanz aus.

Bei China sind es heute 13 Prozent. Die chinesische und die amerikanische Volkswirtschaft sind eng miteinander verflochten.

Weltwirtschaft in Gefahr

Jahrzehntelang galt genau das als Musterbeispiel für die Globalisierung: Die Volksrepublik war die Werkbank der Welt, die Ideen und die Halbleiter kamen aus den USA. Diese Arbeitsteilung stellt Chinas Aufstieg jedoch zunehmend infrage, chinesische Firmen drängen auf den Weltmarkt.

Und nicht immer ist dieser Wettbewerb fair. Unternehmen werden vom Staat subventioniert, die Industriespionage gefördert, den eigenen Markt versperrt die chinesische Führung konsequent. Präsident Donald Trump versucht es nun mit roher Gewalt.

Während Google und die amerikanischen Chiphersteller Qualcomm, Intel, Xilinx und Broadcom am Montag ankündigten, dass sie nicht mehr an Huawei liefern, besuchte Chinas allmächtiger Staats- und Parteichef Xi Jinping demons­trativ eine Mine im Hinterland, in der seltene Erden gefördert werden. Das sind jene siebzehn Metalle, die unerlässlich sind für ein Smartphone. Die Erden werden in den Antennen verbaut, genauso wie in den Akkus, und auch Elektroautos können ohne diese Metalle schlicht nicht fahren.

China ist der mit Abstand grösste Förderer dieser Metalle. Ein Exportstopp träfe die Weltwirtschaft somit in erheblichem Ausmass. Es wäre die nächste Stufe der Eskalation.

Kampf der Systeme

Genau darauf wird die chinesische Bevölkerung bereits eingeschworen. Das Staatsfernsehen änderte in den vergan­genen Tagen kurzfristig das Programm. Zur besten Sendezeit liefen plötzlich Propagandastreifen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, die schon seit Jahren nicht mehr gezeigt worden waren. «Die Schlacht von Shangganling» etwa, gedreht 1956: Eine Einheit der Volksbefreiungsarmee hält im Koreakrieg tapfer die Stellung gegen schier übermächtige amerikanische Truppen.

Die chinesische Führung scheint sich vor einer lang anhaltenden Auseinandersetzung nicht zu fürchten, auch weil man das eigene politische Betriebssystem für krisensicherer hält. Während Präsident Trump via Twitter die Zentralbanker in New York anblafft und sie vergeblich auffordert, den Leitzins zu senken, reicht in China eine Anweisung.

Das gilt auch für die grossen Konzerne: Kein anderer Staat ausser China wäre in der Lage, binnen weniger Monate die Handelsbilanz zu frisieren. Ein Anruf aus Peking, und die Fluglinien kaufen nur noch Airbus statt Boeing, und Siemens baut statt General Elec­tric künftig die Kraftwerke. Alles denkbare Schritte im Kampf der Systeme.

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