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Das Internetradio als Fenster zur Welt

Der blinde Wünnewiler Claudio Zeni betreibt ein eigenes Internetradio. Er würde sein Hobby gerne zum Beruf machen – zum Beispiel in einer Redaktion mit Sehenden.

Claudio Zeni betreibt im Internet ein eigenes Radio.
Claudio Zeni betreibt im Internet ein eigenes Radio.
Nadja Schweizer

Schon als Bub war Claudio Zeni vom Radiomachen fasziniert. Mit neun Jahren bekam er ein Mischpult und ging am Morgen noch vor der Schule auf Sendung. Damals mussten seine Zuhörer die Beiträge noch auf Tonbandkassetten aufnehmen. «Diese hörten sie dann beim Autofahren wie andere Radio», schmunzelt der Radiomacher. Später begann sich Zeni für die Informatik zu interessieren. Die Leidenschaft für das Radiomachen rutschte dadurch in den Hintergrund. Für den heute 17-jährigen Wünnewiler, der seit seiner Geburt blind ist und der über den Computer mit der Welt in Kontakt steht, war die Informatik eine Notwendigkeit: Programme und Websites entwickeln sich laufend weiter. Auf seiner Suche nach den besten technischen Hilfsmitteln für Sehbehinderte wurde Zeni mit der Zeit zum IT-Experten. Irgendwann hörte er von der Möglichkeit, mit Hilfe des Internets Radio zu machen. Er begann, sich für die entsprechende Software zu interessieren. Inzwischen produziert Claudio Zeni ungefähr einmal pro Woche ein eigenes Radioprogramm. Die Themen spiegeln sein grosses Interesse am Weltgeschehen wieder und reichen vom Lebenswerk Nelson Mandelas bis zum Interview mit der Organisatorin der Miss-Handicap-Wahlen.

«Die Leute da draussen anzusprechen, macht Spass, und sich selbst im Radio zu hören, gibt einem Selbstvertrauen», sagt Zeni, der hofft, seine Zuhörerzahlen noch etwas zu erhöhen.

Claudio Zeni besucht die Schule der Stiftung für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche in Zollikofen. Neben allgemeinen Fächern lernt er dort praktische Dinge wie selbstständige Mobilität.

Jetzt, im 10. Schuljahr, stellt er die Weichen für die Zukunft: Sein Traum ist es, Informatiker zu werden. Vielleicht wechselt er deshalb schon bald an die Informatikschule für Blinde im deutschen Marburg, weil es in der Schweiz keine blindenspezifischen Berufsausbildungen gibt. «Ich würde auch an einer allgemeinen Einrichtung in der Schweiz lernen», sagt der Radiomann. «Aber viele Ausbildner sind anfänglich zwar für einen Blinden offen, machen aber einen Rückzieher, wenn es konkret wird.»

Unbefangen zum Interview

Wenn Zeni ein Interview für sein Radio organisiert, erwähnt er seiner Behinderung aus diesem Grund oft nicht schon beim ersten Gespräch. «Die Leute gehen viel natürlicher damit um, wenn sie sich vorher keine Gedanken machen.»

Die Berührungsängste seien auf Seiten der Sehenden grösser als bei den Blinden, die von Geburt an mit der Welt der Sehenden vertraut seien. Allerdings habe auch er manchmal Hemmungen, räumt Zeni ein. Deswegen mache er niemandem Vorwürfe. Keine Ahnung vom Leben eines Blinden zu haben, sei nicht schlimm. Schlimm sei die mangelnde Bereitschaft, mit Betroffenen zu reden. «Zusammenleben braucht manchmal ein bisschen Mut», sagt Claudio Zeni.

«Kein Dauerthema»

Er selbst kann sich gut vorstellen, dereinst in einem Team mit lauter Sehenden zu arbeiten, am liebsten natürlich bei einem Radio. Überhaupt ist die Behinderung für ihn kein Dauerthema. Obwohl er seit dem Kindergarten in Zollikofen zur Schule geht, hat er viele sehende Freunde in Wünnewil.

Auch er macht sich ein Bild

Die Art und Weise, wie Zeni spricht, beweist, wie sehr er als Blinder unter Sehenden lebt: Ohne zu zögern, spricht er davon, sich «von etwas ein Bild zu machen», und sein Radio heisst «Blue World Radio» – obwohl er die die Farbe Blau in sinem ganzen Leben noch nie gesehen hat.

This Fetzer

Claudio Zenis Internetradio: www.blueworldradio.com

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