«Liberty ist eine echte Bereicherung»

Leserbegegnung

Monique Vogel aus Bern ist freiberufliche Psychiatriepflegefachfrau. Ihre Mitarbeiterin ist Labradorhündin Liberty. Für viele Patientinnen und Patienten ist der Vierbeiner eine wichtige Bezugsperson, die Spannungen abbaut und Vertrauen schafft.

Unzertrennlich: Monique Vogel und Labradorhündin Liberty sind ein eingespieltes Team – bei der Arbeit wie auch in der Freizeit.

Unzertrennlich: Monique Vogel und Labradorhündin Liberty sind ein eingespieltes Team – bei der Arbeit wie auch in der Freizeit.

«Chumm, Liberty, sitz. Jaa, bisch e Liebi.» In breitestem Züridütsch gibt Monique Vogel in ihrer Wohnung im Berner Monbijouquartier der zweieinviertel Jahre jungen Labradorhündin Anweisungen. Die ausgebildete Psychiatriepflegefachfrau zog vor sechs Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden unterdessen erwachsenen Söhnen von Zürich in die Bundesstadt. Hier arbeitete die heute 53-Jährige anfänglich unter anderem in einer therapeutischen Wohngemeinschaft und bei der Spitex – bis sie sich vor zwei Jahren selbstständig machte. Von Psychiatern und Ärzten erhält sie Aufträge für ambulante Behandlungen. Zu ihren Patientinnen und Patienten gehören Menschen mit Depressionen, Angstzuständen, Lebenskrisen, Suchtproblemen und so weiter. «Ich werde mit verschiedensten Menschen und ihren Problemen konfrontiert. Dies ist sehr spannend. Und dank Liberty wird der Zugang zu den Patienten oft erleichtert. Sie schafft Vertrauen und wirkt wie eine Art Katalysator», erzählt Monique Vogel.

«Meistens mit dabei»

Ein Beispiel aus der Praxis. Zweimal pro Woche besucht Monique Vogel eine 77-jährige Frau, die unter Depressionen leidet. «Gerade am Morgen geht es ihr jeweils sehr schlecht. Der Hund geht dann zu ihr hin und hält eine Pfote aufs Bett. Die Frau streicht darüber und wirkt sogleich gelöster», berichtet sie. Bei anderen Patienten könne allein schon ein Spaziergang mit Liberty Anspannungen lösen. «Und oft ist es einfach bloss die Anwesenheit von Liberty, die für eine gute Atmosphäre sorgt.» Liberty sei «meistens mit dabei», wenn sie ihrer Arbeit nachgehe. Doch kläre sie mit jedem Patienten und jeder Patientin ab, ob dies wirklich erwünscht sei. «Wenn jemand Angst vor Hunden hat, muss ich das natürlich respektieren. Dann bleibt Liberty zu Hause», betont Monique Vogel. Dies sei beispielsweise bei einer Patientin mit paranoider Schizophrenie der Fall. «Da nützt es auch nichts, wenn ich sage, Liberty sei eine ganz brave, aufmerksame und feinfühlige Hundedame.»

«Eine Bereicherung»

Doch wie kam Monique Vogel eigentlich auf den Hund? Sie lächelt, denkt kurz nach. «Ich hatte mich schon lange mit dem Gedanken herumgeschlagen, einen eigenen Hund zu halten. Und für mich war immer klar, dass ich ihn in meine Arbeit miteinbeziehen will.» Und obwohl ihr Gatte, ein Maschineningenieur, nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrach, erwarb sie vor gut zwei Jahren die reinrassige, helle Labradorhündin aus einer Zucht in Hindelbank. Sie absolvierte mit Liberty sogleich eine Welpenschule und verschiedene Hundekurse. Seit März dieses Jahres wird Liberty zur Therapiehündin ausgebildet. Bevor man eine solche Ausbildung beginnen kann, werden Hunde einem Eignungstest unterzogen. Sie dürfen weder schreckhaft noch aggressiv sein und müssen in jeder Situation Ruhe bewahren. Liberty ist für Monique Vogel natürlich nicht ausschliesslich eine Berufsbegleiterin. Die beiden sind auch in der Freizeit praktisch immer zusammen und gehen dreimal in der Woche bereits um vier Uhr morgens (!) joggen. «Mein Mann hat sich unterdessen daran gewöhnt», meint sie lachend. Und ergänzt: «Liberty ist für mich selber und meine Patienten eine echte Bereicherung.» Christian Werder

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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