Leserporträt, Bern

«Im Training bin ich allein der Chef»

Leserporträt, BernMarko Marffy (36) ist einer von wenigen professionellen Karatemeistern in Bern. Vor fünf Jahren hat er sich seinen Traum von einem eigenen Trainingszentrum für Karate in der alten Brauerei Gassner erfüllt.

Im Karate seine Bestimmung gefunden: Marko Marffy in seinem Dojo im Gassner-Areal.

Im Karate seine Bestimmung gefunden: Marko Marffy in seinem Dojo im Gassner-Areal. Bild: Christian Pfander

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Die alte Brauerei Gassner liegt direkt an der Aare unterhalb der Lorrainebrücke. An der Ziegelsteinfassade des Uferwegs 42 nagt der Zahn der Zeit. Die Briefkästen verraten eine grosse Vielfalt an Geschäften. Neben dem Maru Dojo sind hier Fotografen, Kommunikationsbüros und ein Grafikatelier zu Hause. Über dunkle Gänge geht es in den ausgebauten Dachstock. Dort eröffnet sich einem ein wunderschöner grosser Raum mit viel warmem Holz und japanischen Möbeln. Vor sechs Jahren begann Marko Marffy zusammen mit Architekten mit dem Ausbau. «Wir mussten zuerst alles isolieren, und nicht einmal ein Boden war vorhanden. Doch ich glaube, dabei ist das schönste Dojo in Bern entstanden», sagt Marko stolz.

Ferien wegen Hochwasser

Drei Tage nach der Eröffnung, am 21.August 2005, stand Marko Marffy auf der Lorrainebrücke und schaute auf das überflutete Aareufer, das Dojo war durch das Jahrhunderthochwasser von der Aussenwelt abgeschnitten. «Ich war von den Umbauarbeiten derart fertig, dass ich irgendwie dankbar war für diese Zwangsferien.» Seither war das Dojo immer offen, und nach intensiven fünf Jahren ist es zu einem richtigen Geschäft geworden.

Strenge Lehre

Mit 15 Jahren begann der Sohn einer Ungarin und eines Slowenen mit Karate Do. «Vom ersten Training an habe ich gewusst, das ist es.» Seinem damaligen Meister, Sensei Piacun, der als einer der ersten Karate Do in die Schweiz brachte, ist er noch heute treu. Obwohl Marko Marffy inzwischen längst selber ein Sensei, Trainer der Schweizer STKF-Karatenati und Besitzer des 5.schwarzen Gurtes ist, unterrichtet er seine Schüler streng nach dessen Lehre und geht nach wie vor zu ihm ins Training ins Karate Do in Bern. «Damals dachte ich, ich würde meinen Sensei mit einem eigenen Trainingszentrum wütend machen, doch dieser unterstützte mein Vorhaben.» Piacuns einzige Bedingung war, dass Marko Marffy eine Weiterbildungsreise nach Asien machen würde. Nach einem Jahr kehrte er mit viel neuem Wissen über verschiedene Kampfkünste zurück und setzte seinen Traum vom eigenen Dojo in die Tat um. Das Geld kam von Sponsoren und Freunden und ist noch nicht vollständig zurückbezahlt. Das «Geschäften», wie Marko Marffy die Arbeit am Computer, das Erledigen von Papierkram und die Finanzen nennt, liege ihm zeitweise auf dem Magen. «Ich bin auch Unternehmer, und das zehrt an meiner Energie. Die Sorgen um das Geld haben mir schon mal eine schlaflose Nacht beschert», sagt er. Eines Tages würde er gerne jemanden für die Administration anstellen und nur noch unterrichten.

Mehr als hundert Schüler

Inzwischen trainieren um die hundert Schüler im Maru Dojo Karate Do, Kobudo, eine Kampfart mit Waffen, Randori, ein stiloffenes Training, und Tai Ji Quan, eine langsame Bewegungsform. Organisiert ist das Trainingszentrum als Verein. «Für mich ist es wichtig, dass jeder dieses Dojo mitträgt und sich auch ausserhalb des Trainings engagiert», sagt Marko Marffy. Vom Musiker über den Bundesratsberater bis hin zur Hausfrau ist alles vertreten. Im weissen Karate Gi, wie das Trainingsgewand heisst, sind sie für ihn alle gleich. «Im Training bin ich der Chef, aber auf anderen Ebenen kann ich viel von meinen Schülern lernen», sagt Marko Marffy.

Persönlichkeitsbildung

Karate ist für ihn in erster Linie Persönlichkeitsbildung und erst danach eine Kampfsportart. Jeder Schüler kann einen Schlüssel zum Dojo verlangen und selbstständig in den Räumen trainieren, auch das gehört zu seiner Philosophie. Das fünfjährige Bestehen löst bei Marko Marffy Emotionen aus. «Wenn ich zurückschaue, bin stolz darauf, was heute aus dem Dojo geworden ist.» Zusammen mit den Schülern ist eine kleine Jubiläumsfeier geplant. «Wenn ich das hier ein Leben lang so leben kann wie heute, ist es genug», sagt er und lächelt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.08.2010, 16:10 Uhr

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