Leserbegegnung Mit Gisela Feuz

Ein Multitalent gibt Vollgas

Leserbegegnung Mit Gisela FeuzKennen Sie Miss Olive Oyl oder Giselle oder Gisela Feuz aus Bern? Nicht? Für viele ist sie allerdings keine Unbekannte. Und diese verehren sie wegen ihrer Stimme, ihrer kessen Schnauze sowie ihrer Coolness.

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Sie ist gross wie Popeyes Freundin Olivia (auf englisch: Olive Oyl). Doch die langen Beine sehen auch schnell aus. Und kräftig. Der Händedruck ist klar. Und überhaupt wirkt sie nicht so, als laufe der Rest von ihr Gefahr, von der Schönheit zugedeckt zu werden. Eine gewisse Bekanntheit erlangte Gisela Feuz als Sängerin Giselle der spassigen Band Monofones und als Moderatorin beim Berner Radio Rabe. Andere kennen sie als «KulturStattBern»-Bloggerin, als Conferencière der monatlichen Auktion «Das letzte Gebot» in der Dampfzentrale oder eben als DJ Olive Oil. Und wieder andere kennen sie einfach als Frau Feuz, die Lehrerin, etwas über 30 Jahre alt.

Frau mit tiefer Stimme

Toll finden viele Fans Giselles Stimme, so weit ist man sich einig. Sie ist tief und klingt rauchig, manchmal krächzt sie wie bei einem jungen Mann im Stimmbruch, Giselle kann unvergleichlich raunen wie keine – aber meistens ist sie eher laut. «Jaja, meine Stimme finden immer alle wahnsinnig erotisch», sagt sie und lacht dabei. Man denkt bei der Stimme leicht an ein wildes Leben mit viel Alkohol, Zigaretten und durchgefeierten Nächten. Die wilden Nächte gebe es wohl schon, aber sie wurden seltener mit dem Älterwerden. Und rauchen tue sie auch nur noch «hobbymässig». «Eigentlich bin ich ja einfach dauerheiser», schmunzelt Gisela Feuz. Denn so vielfältig ihre Engagements sind, alle beanspruchen ihre Stimme: singen, moderieren, unterrichten. Und immer muss Giselle laut sein. Lauter als ihre Band. Lauter als das Schwatzen ihrer Schülerinnen (sie unterrichtet Deutsch und Englisch an der Wirtschafts- und Kaderschule in Bern) und lauter als die ausklingenden Träume der Radiohörerinnen und Radiohörer jeweils am Dienstagmorgen um acht Uhr auf 95,6 Megahertz.

Lachen und Begeisterung

Als Moderatorin beim alternativen Kulturradio Rabe ist ihr Ruf bei der Hörerschaft nicht unumstritten. Nicht alle mögen um diese Zeit ihre gepfefferten Wortbeiträge. Ihre kessen Sprüche und coolen Geschichten. Für intellektuelle Gemüter sind sie vielleicht etwas zu wenig gehaltvoll. Aber was solls. Sie moderiert mit viel Begeisterung und lacht auch über sich selbst. Und aus irgendeinem Grund glaubt man ihr immer, dass sie eigentlich klüger sei als ihre Witze. In den Tagen, bevor sie auf Sendung geht, liest sie gründlicher als sonst die Zeitung, scannt die Kurzmeldungen auf skurrile Unfälle oder Nachrichten wie «Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass» Was sie dabei findet, ergibt zusammen mit den täglichen Rubriken der Sendung (ein Quiz, das Wetter, Tagesvorschau) den Rahmen für ihr Musikprogramm. Und darum, um die Musik, geht es ihr eigentlich in erster Linie. Was sie an Radio Rabe am meisten schätzt, ist. dass es Raum bietet für Musik jenseits des Mainstream. Giselles Herz schlägt für «Indie», das heisst Rockmusik, bei der es schwer ist, mitzusingen, und deren Stars es nur selten in die People-Magazine schaffen. Oft lädt sie auch lokale Bands zum Interview ins Studio. Rabe-Macherinnen und -Macher bekommen keinen Lohn. Im Gegenteil: Sie bezahlen gar für die Sendezeit und für den obligatorischen Einführungskurs, in dem sie lernen, mit der Technik umzugehen. Trotzdem fehlt es nicht an Sendungswilligen. Viele wollen, wie Giselle, gerne anderen Leuten ihre Plattensammlung präsentieren und Bern erzählen, was sie sich zu diesem oder jenem überlegt haben. Übrigens: Giselle wurde von Rabe angefragt, ob sie mitmachen wolle – es lief nicht umgekehrt.

Viele Konzerte

Auch «KulturStattBern» ist auf Giselle/Gisela zugekommen, ebenso die Veranstalter von «Das letzte Gebot». Dies ist die Ernte von ihrem jahrelangen«Gratisrumwerkeln», vom Schreiben, Moderieren und Musizieren. Und auch mit Letzterem läufts gut. Die Monofones spielten seit ihrer Gründung vor knapp drei Jahren unzählige Konzerte. In der Schweiz, in Deutschland, Kroatien, Griechenland. Sie spielten auch vor mehreren Hundert Fans am Gurtenfestival und vor vier, fünf verschupften Nasen auf Raststätten entlang der A1 zwischen Zürich und Bern. «Eine Schnapsidee sondergleichen war das, diese Autobahnraststätten-Tournee», lacht Giselle, «es hat aber grandios Spass gemacht». Die Monofones spielen einen witzigen Mix aus Rock, Garage und Trash-Punk. Oder einfach «Schnäbirock», wie Giselle schmunzelnd zum Besten gibt. Simpel, laut, nicht perfekt, aber mit gnadenloser Energie gespielt. Die Musiker tragen vorzugsweise enge Hosen, und auch die grossen Posen dürfen nicht fehlen. Sonst wäre es schliesslich kein «Schnäbirock». Und Giselle beherrscht die grosen Posen aus der Hüfte, reisst das Maul auf, malträtiert das Mikrofon, grätscht und springt, tänzelt wie Mick Jagger, schüttelt die Haare, grinst. Man merkt, dass es ihr Spass macht. Und dabei singt sie mit dieser Stimme, der man einfach zuhören muss. Ob man will oder nicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2010, 10:06 Uhr

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