Im Minutentakt durch das Zielgelände

Thun

Der Gigathlon in Thun ist Geschichte. Die Härtesten der Harten kämpften während zwei Tagen mit sich selbst und der Sonne.

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«Catch the Sun» lautete das Motto des Gigathlons 2010. Die Sonne liess sich darauf ein, und brannte gnadenlos auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nieder. Viele der gegen 5600 Sportler wären wohl phasenweise lieber nach dem Motto «Hol dir den Schatten» unterwegs gewesen. 452 Kilometer galt es zurückzulegen, und 7940 Höhenmeter mussten überwunden werden. Eine harte Sache.

Am Sonntagnachmittag war die Spannung im Zielgelände entsprechend gross. Wer es wohl bis auf den Waffenplatz Thun schaffen würde? Als Erstes sollten «Teams of five» eintreffen. Um halb drei war es so weit: Das Quintett mit dem viel versprechenden Namen Goldwurstpower hatte den Gigathlon in 17 Stunden und 38 Minuten gemeistert und rannte gemeinsam durch das Zielband. Der Jubel war gross, und er sollte an diesem Tag nicht der einzige bleiben.

Um 16 Uhr folgte ein weiterer Höhepunkt: Roger Fischlin, auch «Fisch» genannt, sprintete Richtung Ziel. Der Zürcher Polizist galt als Favorit. Doch noch war alles offen, der Deutsche Marc Pschebizin und Samuel Hürzeler aus Steffisburg wiesen ebenfalls sehr gute Zwischenzeiten auf. «Ich habe wirklich alles gegeben. Jetzt gilt Top oder Flop, ändern kann ich es nicht mehr», sagte Fischlin. Ändern konnte es nur noch Pschebizin. Der Mann aus Wittlich schnappte Fischlin den Sieg weg. Zum Song «Simply the Best» lief er ein. «Ich war so kaputt», gesteht er. Aber über den Jaunpass sei er dann schlicht geflogen. «Sacra, der ‹Fisch› muss doch einzuholen sein», habe er sich gesagt.

Gefährlich nahe an die beiden Spitzenläufer kam auch der Oberländer Samuel Hürzeler. Der 26-jährige Sportlehrer und Inferno-Spezialist zeigte seine Leistungsfähigkeit erstmals auf einer zweitägigen Strecke. Sich auf den Tag X vorzubereiten und dann voll da zu sein, fasziniere ihn immer wieder, so Hürzeler. «Ich spürte meinen Körper gut und konnte die Energie entsprechend einsetzen.» Die letzten Wochen seien schon ein Leben für das Training gewesen, jetzt sei er einfach glücklich über den dritten Platz und freue sich auf die Ferien.

In sechs Wochen wird Hürzeler aber nochmals auf Pschebizin treffen – am Inferno-Wettkampf. «Ich weiss, dass er sportlich und mental sehr stark ist, aber wenn ich eine Chance sehe, werde ich sie packen, und das weiss er», sagt Hürzeler und lacht Pschebizin zu.

Mit frenetischem Applaus wurde auch die Thunerin Barbara Bracher begrüsst. Die sportliche Frau schaffte es nach Nina Brenn auf den zweiten Platz in der Kategorie «Single Woman». Gestern konnte sie ihren 30.Geburtstag feiern, am Sonntag ihre Leistung am Gigathlon. Bracher sieht Sport als Ausgleich zu ihrer Tätigkeit im Büro. Kraulen habe sie erst mit 20 Jahren gelernt. Für sie ist es das erste Mal, dass sie eine zweitägige Strecke allein bewältigt. «Nach der kurzen Nachtruhe war mir nicht nach einem weiteren Sport-Tag zumute», gesteht Bracher. In Angriff genommen hat sie ihn dennoch, mit grossem Erfolg, wie sich im Ziel zeigte.

Strahlend ins Ziel eingelaufen sind auch die Bolligerin Michèle Tanner und David Meierhans aus Büren a.d.A. Sie haben in einer sportlichen Zweckgemeinschaft, wie sie es nennen, den Sieg in der Kategorie «Couple» geholt. Das Team Emch-Berger-BMC konnte dabei auf sportliche Erfolge im Langlauf und im Triathlon zählen. «Mit diesem Sieg lässt sich gut schlafen», sagt Meierhans. Doch ein weiteres Mal werde er nicht mehr als «Couple» starten: «In dieser Kategorie habe ich ja nun schon alles erreicht.»

Berner Zeitung

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