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Trotz illegaler Schweizerhof-Kameras Bundesgericht bestätigt Urteil gegen Berner Demonstranten

Ein Mann ist vom Obergericht zu Recht verurteilt worden. Dies, obwohl illegale Videoaufnahmen zur Verurteilung geführt hatten.

Nach Kritik ihrer Rechtsstaatlichkeit wurden die Videokameras am Schweizerhof entfernt.
Nach Kritik ihrer Rechtsstaatlichkeit wurden die Videokameras am Schweizerhof entfernt.
Foto: Adrian Moser

Ein Berner Demoteilnehmer ist zu Recht verurteilt worden, obwohl die Beweise von einer gesetzlich nicht zulässigen Video-Überwachung beim Hotel Schweizerhof stammten. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Aktivisten gegen die Verwendung der Videoaufnahmen abgelehnt.

Der Teilnehmer der nicht bewilligten Kundgebung «Grenzen töten» vom April 2015 war von der Berner Justiz wegen Landfriedensbruchs verurteilt worden. Im Rahmen der Kundgebung war es zu Sachbeschädigungen und Sprayereien gekommen. Laut Anklage hatte der Mann bei der Demo eine aktive Rolle gespielt und Flugblätter verteilt.

Der Demoteilnehmer war von den Überwachungskameras des Hotels Schweizerhof erfasst worden, die damals auch den öffentlichen Raum filmten. Nach Kritik an deren Rechtsstaatlichkeit wurden die umstrittenen Kameras in der Folge entfernt.

Öffentliches Interesse überwiegt

Im Verfahren gegen den Aktivisten wertete das Obergericht das öffentliche Interesse an der Tat-Aufklärung aber höher als das Interesse des Mannes an der rechtskonformen Verwertung der privaten Videoaufnahmen. Diese Haltung stützt nun auch das Bundesgericht, wie aus dem am Donnerstag publizierten Urteil hervorgeht.

Die Lausanner Richter weisen zudem darauf hin, «dass nicht etwa der Geheim- oder Privatbereich» des Mannes gefilmt wurde, sondern seine «bewusste Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration auf öffentlichem Grund».

Das Berner Obergericht habe deshalb die aus den Videoaufnahmen des Hotels Schweizerhof gewonnenen Erkenntnisse zu Lasten des Aktivisten verwenden dürfen, hält das Bundesgericht fest. Auch sei keine Willkür ersichtlich, wenn die Vorinstanz die Kundgebung als von einer «friedensstörenden Grundhaltung» geprägt bewertet habe.

Die Videoaufnahmen belegen laut Justiz, dass sich vermummte Demonstranten, die aus der Gruppe heraus Sachbeschädigungen begingen, unmittelbar danach wieder in den Schutz der Gruppe zurückgezogen hätten. Die Handlungen wurden deshalb dem gesamten Demonstrationszug zugeordnet.

ske/sda

1 Kommentar
    wombat12

    Absolut in Ordnung. Der Einwand sollte sogar Strafverschärfend wirken. Hoffentlich werden dem die Kosten für den Gang nach Lausanne aufgebrummt.