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Corona-Kredite für Firmen Milliarden-Hilfe wird zum Rettungsring für die Banken

Das Schweizer 40-Milliarden-Paket wird als Liquiditätsspritze für Firmen verkauft – angesichts der rabenschwarzen Konjunkturaussichten hat es noch eine andere Wirkung.

Die Gelder auf den Banken bleiben sicher, auch dank der massiven Unterstützung der KMU durch den Bund: Geld abheben am Bancomaten.
Die Gelder auf den Banken bleiben sicher, auch dank der massiven Unterstützung der KMU durch den Bund: Geld abheben am Bancomaten.
Foto: Urs Jaudas

Die Kreditabwicklung der Banken läuft auf Hochtouren. Bis Gründonnerstag hat allein die UBS 2,2 Milliarden Franken Kredite an mehr als 16’000 KMU abgegeben. Unternehmen, die durch den Shutdown der Wirtschaft Schaden erleiden, kommen schnell und unkompliziert zu frischem Geld. Allein die Gewissheit, über ein finanzielles Zusatzpolster zu verfügen, stärkt die Zuversicht, den Totalschaden abwenden zu können.

Die schnelle Abwicklung der Kredite sorgt international für Aufsehen. Das britische Weltblatt «Financial Times» lobte das «Swiss scheme» in den höchsten Tönen. Während in anderen Ländern die Hilfeleistungen in staatlicher Bürokratie erstickten, habe das Schweizer Programm dank der engen Verzahnung zwischen Wirtschaft und Politik sehr schnell auf den Weg gebracht werden können. Ausgeheckt wurde das Programm von Thomas Gottstein, dem neuen Konzernchef der Credit Suisse.

Die Krise als Chance, das Image aufzupolieren

Die Banken sehen in der Corona-Krise die historische Chance, ihr angeschlagenes Image aufzupolieren. Nach der Finanzkrise hätten die Banken viel investiert und die Kapitaldecke gestärkt, sodass sie «heute ein Teil der Lösung» seien, sagte Sergio Ermotti, der scheidende UBS-Chef, im «SonntagsBlick». Den Banken ist es wichtig, sich als Helfer in Szene zu setzen. Das zeigt sich daran, dass UBS und Credit Suisse die Gewinne aus dem Geschäft spenden würden. Die UBS wolle an dieser «Initiative» nichts verdienen, sagt eine Sprecherin. «Allfällige Gewinne» würden in einen Hilfsfonds für verschiedene Projekte in der Schweiz bereitgestellt.

Das klingt gut, doch wie lässt sich das überprüfen? Ein Sprecher der Credit Suisse sagt: «Bei der Bemessung eines allfälligen Gewinns werden wir unter anderem Zinseinnahmen, Risikokosten, personelle Aufwände und allfällige Kreditausfälle berücksichtigen.» Doch überprüfbares Zahlenmaterial werden die Banken aller Voraussicht nach nicht liefern. Um das Geschäft für die Öffentlichkeit überprüfbar zu machen, müssten die Banken eine offizielle Spartenrechnung veröffentlichen, in der die einzelnen Posten aufgelistet werden.

Er gilt als der Erfinder des milliardenschweren KMU-Rettungspakets: Thomas Gottstein, Konzernchef der Credit Suisse.
Er gilt als der Erfinder des milliardenschweren KMU-Rettungspakets: Thomas Gottstein, Konzernchef der Credit Suisse.
Foto: Esther Michel

Doch eine solche Rechnung wird es nicht geben. Eine UBS-Sprecherin sagt dazu: «Es ist nicht vorgesehen, diese separat formell auszuweisen. Die Gewinne werden als Rückstellungen verbucht und im Rahmen der normalen Revision von unserem Auditor geprüft.» Die Einnahmen aus dem 40-Milliarden-Hilfskredit sind nicht unerheblich. Branchenkenner schätzen die Zinseinnahmen auf 300 bis 500 Millionen Franken pro Jahr. Über die Laufzeit von fünf Jahren kommen so zwischen 1,5 und 2,5 Milliarden Franken zusammen.

Banken werden die Gewinner der Corona-Krise sein

Schon jetzt ist klar: Die Banken werden die Gewinner der Corona-Krise sein. Sie dürften zwar Blessuren davontragen, doch an die Existenz wird ihnen die Krise diesmal nicht gehen. Zu diesem Befund kommen auch die Ökonomen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Diese Woche veröffentlichten sie eine Prognose, in der sie im schlimmsten Fall von einem Wirtschaftseinbruch von über zehn Prozent und sieben Prozent Arbeitslosen ausgehen.

Trotz sogenannter Zweitrundeneffekte mit Massenarbeitslosigkeit und verbreiteten Firmenkonkursen werde es nicht zu einer «Finanzkrise» kommen, bei der «Finanzierungsprobleme bei grossen Banken und ein Einfrieren des Kapitalmarktes zu erwarten wären», heisst in der Seco-Prognose.

Wie ist das möglich? Das liegt zu einem guten Teil an den grosszügigen Kredithilfen des Bundes und deren Funktionsweise. Ein typisches KMU verfügt bei einer Bank über ein Kontokorrent, über das es die wichtigsten Zahlungen abwickelt. In den meisten Fällen können die Firmen diese Konten überziehen. Je nach Grösse des Unternehmens könnten dies 5000, 10’000 oder 50’000 Franken und mehr sein.

Bestehende Kreditlinien können Ende Jahr gekündigt werden

Kommt es zum Konkurs, bleibt die Bank oft auf ihrer Forderung sitzen und muss einen entsprechenden Abschreiber vornehmen. Bezieht nun ein Unternehmen einen Covid-19-Kredit, erhält es eine zusätzliche Kreditlinie. Es dauert also wesentlich länger, bis ein KMU in eine kritische Situation gerät und somit auch für die Bank zum Problem wird.

Wie sehr die Banken darauf achten, sich möglichst schadlos zu halten, kann man in einem diesen Donnerstag aktualisierten Dokument der Bankiervereinigung nachlesen. Darin haben sich die Banken auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. So sollen die Institute bis zum 31. Dezember eine bereits bestehende Limite weder kürzen noch ganz streichen, heisst es darin. Danach ist es ihnen überlassen, die zuvor bestandenen Kreditlinien zu kürzen beziehungsweise zu kündigen.

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, dass das Kreditpaket über 40 Milliarden Franken wie ein gigantischer Schutzwall wirkt, der die Banken vor einer Sturmwelle von Konkursen schützt.