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#FreeBritney Britney Spears will die Kontrolle über ihr Leben zurück

Sie war Kinderstar, Teenie-Idol – und erlitt vor den Augen der Welt einen psychischen Zusammenbruch. Seither ist die Sängerin entmündigt. Jetzt kämpft sie dagegen.

Britney Spears 2018 bei einem Auftritt in Las Vegas, wo sie zuletzt Star ihrer eigenen Show war. Seit 2019 nimmt Britney offiziell eine Auszeit als Künstlerin – auf unbestimmte Zeit.
Britney Spears 2018 bei einem Auftritt in Las Vegas, wo sie zuletzt Star ihrer eigenen Show war. Seit 2019 nimmt Britney offiziell eine Auszeit als Künstlerin – auf unbestimmte Zeit.
Foto: AP

#FreeBritney heisst ein Hashtag, der in den sozialen Medien gerade trendet. #FreeBritney klingt lustig, wie «Free Willy», ist es aber so gar nicht. Es geht um Britney Spears, um die ehemalige Prinzessin des Pop also, mittlerweile 38 und komplett von der Bildfläche verschwunden.

Sie wird nicht gefangen gehalten, das nicht. Aber sie ist seit zwölf Jahren entmündigt.

Man erinnert sich dunkel an die Sängerin, zumindest «Hit Me Baby One More Time» aber haben alle Ü-30-Jährigen sofort im Ohr, wenn sie ihren Namen hören. Und in derselben Sekunde fällt einem auch ein, wie sie sich damals den Kopf rasiert hatte, in einem Coiffeursalon in Los Angeles, vor den Kameralinsen von über 70 Paparazzi. 2007 konnte ihr die ganze Welt vom Sofa aus beim psychischen Zusammenbruch zuschauen.

Selbst fürs Autofahren braucht sie eine Erlaubnis

Britney Spears verschwand danach in einer Klinik. Veröffentlichte ein halbes Jahr später das Album «Circus» und ging damit auf Welttournee. Sie verdiente damit 130 Millionen Dollar.

Und trotzdem ist sie seither entmündigt. Darf ohne die Erlaubnis ihres Vaters kaum eine Handlung des alltäglichen Lebens vornehmen, weder ein Auto fahren noch über ihr eigenes Geld verfügen oder ihre beiden Söhne uneingeschränkt sehen (sondern nur in einem Umfang von 30 Prozent). Seit zwölf Jahren entscheidet ihr Vater als ihr Vormund darüber, was gut für seine Tochter ist.

Auf Instagram teilt Britney Spears aktuell vor allem Selfies und Tanzvideos aus ihrer Stube.
Auf Instagram teilt Britney Spears aktuell vor allem Selfies und Tanzvideos aus ihrer Stube.
Screenshot: Instagram

So, wie er das seit je getan hatte. Britney Spears musste schon als 4-Jährige am Broadway auftreten. War ein Kinderstar im in den USA populären «Mickey Mouse Club» von Disney, zusammen mit Christina Aguilera und Justin Timberlake. Und war dann von den Marketingstrategen der Musikindustrie auf Lolita getrimmt worden, die mit Babystimme singen musste, obschon sie mehrere Oktaven draufhätte.

Für drei Monate vom Vater zwangseingewiesen

Die Bewegung #FreeBritney entstand im Januar 2019, als sich Spears ohne väterliche Erlaubnis ins Auto setzte und einen Burger essen ging. Als Strafe liess er sie deswegen für drei Monate zwangseinweisen. Das sickerte an die Presse durch, und über den Hashtag #FreeBritney wurde die umgehende Entlassung der Sängerin gefordert, die wegen einer simplen Fahrt in einen Burgerladen ihrer Freiheit beraubt worden war, noch dazu vom eigenen Vater, der ihr auf rund 60 Millionen geschätztes Vermögen verwaltet.

Treue Fans hatten immer wieder behauptet, mit Titeln wie «Overprotected» oder «My Prerogative» habe Britney Spears indirekt ihre Gefangenschaft thematisiert, und dieser Eindruck verstärkte sich in den letzten Wochen erneut. Sie postete zum Beispiel ein Video von sich, in dem sie einem Raum hin und her geht und an ein gefangenes Tier erinnert. Die sozialen Medien waren sofort alarmiert.

Aber nicht nur sie. Der Aufschrei von 2019 hatte die Behörden veranlasst, sich die Sache etwas genauer anzuschauen. Was sie sahen, war tatsächlich mehr als seltsam, weshalb nun demnächst eine Anhörung stattfinden soll. Dabei soll abgeklärt werden, ob Britney Spears, der millionenschwere, versehrte Kinderstar, irgendwann ein selbstbestimmtes Erwachsenenleben führen darf.