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Britische Hausbesitzer in Zahlungsnot

Die Zinsen steigen, der Wert der Immobilien sinkt. Die Krise auf dem Häusermarkt schwappt auf die ganze Wirtschaft über.

Der Immobilienmarkt ist eingebrochen. Nach jüngsten Zahlen der Bank of England ist die Zahl der Bewilligungen von Haus- und Wohnungshypotheken durch britische Banken und Bausparkassen in den letzten 18 Monaten um mehr als die Hälfte gesunken – von 130'000 auf gerade noch 58'000. Immer weniger Briten können sich, mit dem Ende billigen Kredits, noch einen Hauskauf leisten: Dies selbst obwohl die Hauspreise seit Oktober um 7 Prozent abgerutscht sind.

Das Haus für weniger verkaufen

Nicht alleine die hohen Zinsen, auch die sprunghaft angestiegenen Lebenshaltungskosten machen derzeit Millionen von Briten das Leben schwer. Immer mehr Hauseigentümer können sich das Abstottern ihrer Hypotheken nicht mehr leisten. Viele finden sich gar in der überaus katastrophalen Lage, ihr Haus für weniger verkaufen zu müssen, als sie sich an Verschuldung aufgebürdet haben.

Vor allem der so genannte Buy-to-let-Markt droht ganz zusammenzubrechen. In den letzten Jahren haben mit dem rasanten Anstieg der Hauspreise viele private Investoren auf Pump Mietwohnungen gekauft und damit schöne Gewinne gemacht. Vielen dieser Neuvermieter dämmert nun, dass sie sich hoffnungslos übernommen haben. Die Zinssätze der Banken sind ihnen binnen weniger Monate über den Kopf gewachsen, günstige neue Darlehen sind nicht mehr zu haben, und die Anhebung der Mieten ist nicht wirklich durchsetzbar.

Die nordenglische Bank Bradford & Bingley beispielsweise, die für ein Fünftel dieses Buy-to-let-Markts verantwortlich zeichnet, musste diese Woche alarmiert vermelden, dass seit Jahresbeginn die Zahl der Kunden, die mit ihren Rückzahlungen um drei oder mehr Monate in Verzug geraten sind, sich bereits um mehr als die Hälfte erhöht hat.

Noch vor sechs Wochen hatte die Bank von einer «robusten Lage» im Buy-to-let-Bereich gesprochen. Nun, selbst in die roten Zahlen gerutscht, findet sie die Aussichten mit einem Mal ausgesprochen düster und hat ihrerseits einen Hedge Fund aus Texas um eine Beteiligung bitten müssen, um die eigene Kapitalbasis zu stabilisieren – und um nicht in eine Schieflage wie die Rivalin Northern Rock zu kommen, die voriges Jahre Pleite ging und seither verstaatlicht worden ist.

Obwohl nicht in unmittelbarer Gefahr, wie seinerzeit Northern Rock, hat die Bradford-&-Bingley-Bank doch in den letzten Tagen an der Londoner Börse einen satten Teil ihres Wertes verloren. Insgesamt haben britische Banken, Bausparkassen und Bauunternehmer in dieser neuen Phase der Kreditkrise zusammen erneut Milliarden eingebüsst.

Der private Konsum nimmt ab

Die amtlichen Statistiken verzeichnen ausserdem neuerdings eine deutliche Reduktion beim privatem Konsum und erste Probleme bei der verarbeitenden Industrie, die über schwache Nachfrage und Inflationsdruck klagt.

Die britische Immobilienkrise beginne allmählich «Schaden in der weiteren Wirtschaft anzurichten», urteilte jetzt die Londoner Tageszeitung «Guardian». Der Wirtschaftssprecher der Liberaldemokraten, Vince Cable, sieht in der Krise ein durchaus selbstverschuldetes Desaster seines Landes: «Was wir hier erleben, ist ein massiver kollektiver Kater, nach einem Hauspreis-Boom, der auf dem Rausch billigen Kredits aufgebaut war.»

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