Zum Hauptinhalt springen

Fusion in der Region BernBolligen steigt aus

Weil die Bevölkerung kritisch auf eine mögliche Fusion im Grossraum Bern reagierte, zieht sich die Gemeinde Bolligen aus dem Projekt zurück.

Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber an der Infoveranstaltung zum Fusionsprojekt. Bereits damals war die Skepsis gross.
Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber an der Infoveranstaltung zum Fusionsprojekt. Bereits damals war die Skepsis gross.
Foto: Christian Pfander

Bolligen will nicht fusionieren. Das teilte der Gemeinderat am Donnerstag mit. In einer Onlineumfrage zu einer möglichen Fusion im Grossraum Bern waren sich die Bolligerinnen und Bolliger grösstenteils einig: Die Gemeinde soll das Projekt nicht weiterführen.

Das Thema sei breit diskutiert worden in den letzten Monaten. Der Gemeinderat hatte die Möglichkeit, den Puls der Bevölkerung zu fühlen. Dabei ist er zum Schluss gekommen, dass er aus dem Projekt Kooperation Bern aussteigt.

Skepsis gegenüber dem rot-grünen Bern

Eine Fusion im Grossraum Bern ist schon länger Thema. Ob sie überhaupt umsetzbar ist, wollten die Gemeinden Bern, Ostermundigen, Kehrsatz, Bolligen, Bremgarten und Frauenkappelen wissen. Sie lancierten das Projekt Kooperation Bern. Eine Studie, die vergangenen Februar vorgestellt wurde, kam zum Schluss: Eine Fusion ist machbar.

Die Präsentation der Studie sollte Auftakt einer Fusionsoffensive sein. Geplant waren Infoabende, Diskussionen und Workshops. Dann kam Corona. Zwar gab es vereinzelt Anlässe, grösstenteils fand das Projekt aber online statt.

Herzstück des Projekts war die Umfrage. 140 Einwohnerinnen und Einwohner aus Bolligen nahmen daran teil – das ist vergleichsweise eine hohe Beteiligung. Repräsentativ ist die Umfrage aber nicht. Dennoch gibt sie ein Stimmungsbild der Gemeinde wider. Und eine grosse Mehrheit der Teilnehmenden ist sich einig: Eine Fusion bringt keine Vorteile.

Nachteile sehen sie vor allem im Verlust der Autonomie. Sorgen bereitet ihnen zudem die politische Ausrichtung der Stadt Bern. Trotzdem beurteilen die Teilnehmenden und auch der Gemeinderat die Machbarkeitsstudie als hilfreich. Der Gemeinderat erhielt mehrere Aufforderungen, eine engere Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden zu prüfen, beispielsweise mit Stettlen oder Ittigen.

Bern und Ostermundigen

Eigentlich sollte die Gemeindeversammlung im März über mögliche Fusionsverhandlungen entscheiden. Darauf verzichtet der Bolliger Gemeinderat aufgrund der klaren Ergebnisse der Umfrage nun. Dasselbe gilt für Bremgarten. Dort waren die Gegner einer möglichen Fusion besonders engagiert.

Letzte Woche äusserte sich auch Frauenkappelen kritisch. Auch dort fielen die Rückmeldungen eher negativ aus. Das letzte Wort hat in Frauenkappelen die Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat wird empfehlen, keine Verhandlungen aufzunehmen.

Dass sich die Gemeinden zurückziehen, überrascht nicht. Die Gemeinderäte waren von Anfang an eher zurückhaltend. Das Feuer für eine Fusion: Es fehlte. Die einzigen Gemeinden, die ernsthaft über eine Fusion diskutieren, sind Bern und Ostermundigen. Heute entscheidet der Berner Stadtrat, ob Verhandlungen aufgenommen werden. In Ostermundigen fällt der Entscheid eine Woche später.

5 Kommentare
    JOSEF SCHMID

    Wer will sich schon mit dem rot grünen Bern verheiraten.Bin vor 20 Jahren deswegen nach Bolligen gezogen.