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Neuer HauptsitzBLS beginnt Standortsuche von vorn

800 Mitarbeitende wollte das Bahnunternehmen in einem Neubau ausserhalb der Stadt Bern zusammenziehen. Doch keiner der geprüften Standorte in Burgdorf, Niederwangen und Zollikofen hat die BLS überzeugt.

So bald gibt die BLS den Sitz am Bollwerk in Bern doch nicht auf.
So bald gibt die BLS den Sitz am Bollwerk in Bern doch nicht auf.
Foto: Adrian Moser

Die BLS gleist das Projekt für einen neuen Hauptsitz noch einmal neu auf. Das gab das Berner Transportunternehmen auf Anfrage dieser Zeitung bekannt. Das bisherige Verfahren wird abgebrochen. Damit ist auch die Stadt Bern wieder im Rennen, wo die mehrheitlich dem Kanton gehörende BLS seit über hundert Jahren ansässig ist.

Letzten Herbst hatte die BLS angekündigt, sie werde mit rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jahr 2023 einen Neubau ausserhalb Berns beziehen. Bislang hatten die betroffenen Angestellten ihre Büros in der Stadt am Bollwerk und an der Genfergasse sowie in Köniz und Burgdorf.

In die Schlussrunde für die neue Zentrale kamen Niederwangen, Zollikofen und Burgdorf. Doch keiner der drei Standorte konnte vollends überzeugen, wie BLS-Sprecher Stefan Dauner sagt. So sei etwa die Mietdauer oder die mögliche Zusammenarbeit mit Partnern unbefriedigend gewesen. Und Dauner bestätigt, dass einige Mitarbeitende den Wegzug aus der Innenstadt kritisiert haben. Auch der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) hatte erklärt, er bedauere den geplanten Umzug.

Wieder alles offen

BLS-Chef Bernard Guillelmon will die bis jetzt gemachten Erfahrungen und Vorbereitungen in das neue Projekt einfliessen lassen. Doch die Standortauswahl wird erneut gänzlich geöffnet. Die Kriterien dafür würden überarbeitet, sagte Dauner, ohne Details zu nennen. Zuerst werde die Projektorganisation neu besetzt.

Klar ist aber schon jetzt, dass sich das Projekt verzögert und nicht schon 2023 abgeschlossen sein dürfte. Im Moment ist auch wieder offen, ob die vier bisherigen Standorte alle aufgegeben und durch einen Neubau ersetzt werden sollen. Schliesslich könnten auch attraktiv gelegene Büroarbeitsplätze wegen der Corona-Krise billiger zu haben sein. So erwarten Immobilienmarktexperten markant steigende Leerstände bei Bürogebäuden wegen Einsparungen von angeschlagenen Firmen und wegen der zunehmenden Heimarbeit .

Auch scheint der Trend zu Grossraumbüros gebrochen. BLS-Sprecher Dauner sagt dazu, die Corona-Pandemie werde die Diskussion über die künftige Form der Zusammenarbeit der Angestellten im Büro sicher beeinflussen. Ziel der BLS bleibe es aber, moderne Arbeitsformen und vermehrte Kontakte zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen zu vereinfachen. Dem steht im Moment bei der BLS unter anderem entgegen, dass die Informatik separat von anderen Bereichen in Köniz angesiedelt ist.

Doch ins EWB-Hochhaus?

Ein Zusammenzug ist weiterhin eine Option. Auch der neue Büroturm, den der städtische Versorger Energie Wasser Bern (EWB) im Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen plant, steht als möglicher zentraler Standort wieder zur Debatte. Die BLS hatte sich ursprünglich dafür interessiert, sich dann aber zurückgezogen, weil das Hochhaus erst nach 2023 bezugsbereit sein werde.

Kaum eine Rolle spielt der Steuerwettbewerb zwischen den Gemeinden. Denn die BLS ist als Unternehmen des öffentlichen Verkehrs weitgehend steuerbefreit. So ist es denn auch für Stadtpräsident von Graffenried letztlich entscheidend, dass das Unternehmen den Konzernsitz zumindest in der Region behält. Damit die Angestellten nicht umziehen müssen.