Wie grün ist grün?

Ob Ökos, Veganer oder Umweltaktivisten: Sie kommen in Serien schlecht weg.

Fährt Hybrid: Mitchell in «Modern Family».

Fährt Hybrid: Mitchell in «Modern Family».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Fliegst du mit mir für einen Tag nach London?», fragt die Kollegin. «Das wäre etwas dekadent, oder?» «Ich bin rot, nicht grün, da liegt so was drin», findet sie – und beisst in die importierte Orange. Die andere Kollegin setzt auf den heimischen Apfel und schüttelt den Kopf: «Fliegen kommt für mich nicht infrage, zu umweltschädlich.» Kollegin Nummer eins pariert: «Es ist einfach, so grün zu sein, wenn man Flugangst hat, nicht wahr?» Kollegin Nummer zwei beisst ins Kernobst und nickt.

Ich nasche lieber selbst gebackene Weihnachtsgüezi und entgegne: «Ihr seid beide so grün wie eine Serienfigur.» Fragende Blicke bei Kollegin Orange und Kollegin Apfel. «Ich meine nur: In Sachen Serien haben die Amerikaner einiges auf dem Kasten, aber grüne Zeitgenossen darstellen gehört nicht dazu. Marshall aus der Sitcom ‹How I Met Your Mother› ist Umweltanwalt, fährt aber ein altes Auto, isst Junkfood und Unmengen an Käse, der aus Europa eingeflogen werden musste. Mitchell aus der Comedy ‹Modern Family›: Ebenfalls ein Umweltanwalt, fährt zwar Hybrid, fliegt dafür regelmässig in die Ferien und greift fürs Baby auf Wegwerfwindeln zurück.» Kollegin Orange wirft ein: «In der Familiensitcom ‹Last Man Standing› steht der Schwiegersohn stellvertretend für die alternative Szene.» «Ja, aber er ist der Arsch der Serie», fügt Apfel an. Vielleicht ist das ja in den USA der Stand der Dinge in Sachen grün», so Orange. «Also ich meine die Inkonsequenz, nicht das Arschsein.»

Apfel dreht auf: «Von wegen! Als ich in New York war, freundete ich mich mit Leuten an, die in ihrem Backyard eigenes Gemüse anbauen, die nur ‹organic› essen, die in den Strassenschluchten Velo fahren und mit dem Zug verreisen, um ihre Verwandten im Mittleren Wesen zu besuchen. Die würden auch niemals bei H & M, Zara oder American Eagle Outfitters einkaufen.» «Bist du nach New York geflogen oder geschwommen?», fragen wir. Und einigen uns darauf, dass Amerikaner grün sein können, Serienmacher den ökologischen Zeitgeist schlecht erfassen – und selbst ein grüner Apfel ab und zu eine Orange ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.12.2016, 00:26 Uhr

Artikel zum Thema

Einhörner jagen

Der Serienjunkie hat mal ein Gilmore Girl vertrieben. Trotzdem kommt die Serie nun zurück ins Fernsehen. Mehr...

Serienfutter von HBO

Weniger Informationen gleich mehr Spannung? Die Macher der HBO-Serien «Westworld» und «The Leftovers» finden ja, der Serienjunkie jein. Mehr...

Tutti Frutti Mutti

Der Serienjunkie über Frauenrollen, Sexismus – und Früchtchen. Mehr...

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Kommentare

Blogs

Foodblog Marroni ohne Feenstaub

Foodblog Köche gehen fremd

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Schlacht mit weichen Waffen: Die Studenten der St.-Andrews-Universität sprühen sich am traditionellen «Raisin Weekend» voll mit Schaum. (23. Oktober 2017)
(Bild: Russell Cheyne) Mehr...