Werbe-Reigen

Werbeeinschübe sind bei Serienepisoden einkalkuliert. Manchmal macht es aber den Anschein, als wäre es gerade umgekehrt.

Da war die Welt noch in Ordnung: Klementine wirbt am TV für Ariel.

Da war die Welt noch in Ordnung: Klementine wirbt am TV für Ariel. Bild: Keystone

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«Was ist das?», fragt das Kind der Kollegin. Es ist fünf Jahre alt und kann mit meinem Kassetten­tattoo nichts anfangen. Sein grösserer Bruder schnallt immerhin den Link zur Musik: «Warum ist da eine CD auf deinem Arm?» – «Das ist keine – ach, lassen wir das, du bist einfach zu jung.»

So geht Wissen im Digitalzeitalter langsam verloren. Ich beobachte das auch bei mir. Nach Monaten des Serienschauens im Onlinestream (für alle, die noch Kassetten hören: das bedeutet über Internetplattformen wie Netflix oder Hulu) schaltete ich kürzlich mal wieder den Fernseher ein und dachte: «Was ist das da auf dem Bildschirm? Es ist kurz, laut und bunt – ah, ­Werbung!»

Schon nach wenigen Wochen Kabel-TV-Abstinenz wirkt die Werbeflut übermannend. Dabei gehört sie zu guten Serien wie die Hauptdarsteller oder eine Regie. Schon in den Drehbüchern werden die entsprechenden Pausen einkalkuliert. Für eine einstündige Serienfolge braucht es dementsprechend bloss Dialog für 45 Minuten, der Rest ist Waschmittel und Spülmittel und Sonst-was-Mittel. Zum Tag der Werbung am 27. Mai sollten wir aber einen Moment innehalten und dankbar sein. Dankbar dafür, dass bei uns noch keine amerikanischen Verhältnisse herrschen. In den USA bombardieren Privatsender ihre Kunden alle fünf Minuten mit Spots. Diese Dauerberieselung ist so einlullend, dass man genervt ist, wenn der Werbeblock für ein paar Serienminuten unterbrochen wird.

Alle Folgen vom Serienjunkie finden Sie hier (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2016, 10:28 Uhr

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