Unter Strom

Mirjam Messerli fuhr neulich ein E-Bike – zu Testzwecken.

Neulich auf meinem Arbeitsweg fragte ich mich: Ist die Zeit für ein E-Bike gekommen? Obschon ich mein Velo Marke TdS «Speed Drive» auch liebevoll den «orangen Blitz» nenne, wurde ich alle paar Minuten von einem unverschämt gut gelaunten Menschen überholt. Als ich mein Velo in den Service gab, fragte ich, ob ich nicht vielleicht als Ersatzfahrzeug so ein E-Bike... Ich bekam die Rakete.

Zuerst hatte ich noch Hemmungen, einen Gümmeler mit Knack­waden zu überholen. Aber nachdem ich mich erst einmal überwunden hatte (ich fuhr Stromi ja bloss zu Testzwecken), gab es kein Halten mehr. Vergessen war mein früheres Geläster über E-Bike-Fahrer.

Ich sauste um 19 Uhr schwer beladen mit Einkäufen aus der Stadt in die Agglo, zog mich daheim um und war um 19.55 Uhr taufrisch an einem Fest, das fast in Wabern stattfand. Dieses neue Fahrgefühl versetzte mich in einen einzigen Rausch.

Zwei Tage später musste ich das E-Bike zurückbringen. Meine Pendelstrecke legte ich in 15 statt 30 Minuten zurück. Ich war so gut wie sicher, dass ich dieses Gefährt kaufen würde.

Als ich in den Laden kam, stand da mein oranger Blitz. Generalüberholt und geputzt. Er sah verloren und traurig aus neben den Elektrobrummern. Mir kam in den Sinn, was wir zwei schon alles zusammen erlebt hatten, wie viele Kilometer ich mit ihm gestrampelt war.

«War ein tolles Erlebnis, danke», sagte ich zum Velohändler und stellte das E-Bike zu den anderen. Auf dem Rückweg, so schien es mir, fuhr der orange Blitz wie von selber. Wir flogen durch den Wald heimwärts. Alte Liebe rostet nicht – sie ist zwar manchmal anstrengend, aber das Beste fürs Herz.

Berner Zeitung

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