Tag 24: Alles Habakuk

Gourmets von veganem Essen überzeugen, ist ganz einfach. BZ-Redaktorin Claudia Salzmann hat dafür den einzigen veganen Caterer engagiert.

Gourmet aus der Küche «Projekt Habakuk»: Gerstensalat mit Granatapfel, dazu ein Cashewkäse-Tätschli.

Gourmet aus der Küche «Projekt Habakuk»: Gerstensalat mit Granatapfel, dazu ein Cashewkäse-Tätschli.

(Bild: Claudia Salzmann)

Zwei Freundinnen kamen zum Abendessen vorbei. Ich wollte die beiden davon überzeugen, dass veganes Essen auch im Gourmet-Stil möglich ist. Da ich keine Übung als vegane Köchin habe, lachte ich mir den einzigen veganen Caterer der Stadt Bern an: Das Projekt Habakuk. Sie starteten vor rund drei Jahren mit ihrem Pop-Up-Restaurant im «Breitsch Träff» und seit Anfang Jahr tischen sie einmal pro Monat den tierproduktfreien Brunch im Restaurant «Heitere Fahne» in Wabern auf.

Kurz bevor die Gäste eintrafen, kam Kremena Diatchka vorbei, die Köchin des Projekts. Die Bulgarin verriet mir die Zutaten und erklärte mir die Zubereitung. Ihren Dreigänger (150 Franken) hat sie auf Blumenpapier geschrieben und die Ware in Tupperware und rezyklierte Gläser gepackt.

Sie ist seit dreieinhalb Jahren Veganerin, auch ihr Partner Tobias Leugger, der ebenfalls im Projekt dabei ist. Initiert wurde es allerdings durch seinen Bruder Sebastian Leugger, der noch etwas länger vegan lebt. «Wir wollten ein Restaurant eröffnen, aber jetzt wissen wir so viel von der Gastronomie, dass wir es wohl sein lassen. Vielleicht», lacht die symphatische Köchin, die ihr Geld in der IT verdient.

Sie verabschiedete sich und schon kamen meine Gäste, denen ich bis zum Ende des Abendessen vorgaukeln wollte, dass ich alles selber gekocht habe. «Wann hast du das denn gemacht? Wo hast du das Briefpapier her? Was ist im Tätschli drin?», wurde ich gefragt. Ich musste mir allerhand Lügen einfallen lassen.

Als Vorspeise gab es eine perfekt abgeschmeckte Walnuss-Caramel-Birnen-Suppe mit Dattel-Salbei-Topping. Der Hauptgang – Gerstensalat mit Granatapfel, Blumenkohl, Petersilie mit Tätschli aus Cashewcrème und Kichererbsen, dekoriert mit Estragon-Aioli und Feigen-Chutney – liess alle am Tisch schwärmen.

Wir konnten längst nicht alles essen. «Ich weiss meist nicht, ob die Gäste grosse Esser sind, deshalb koche ich immer zu viel», hatte die begnadete Köchin zuvor erklärt. Bestellt habe ich für vier, aber es hätten locker sechs hungrige Personen mitessen können.

Geliefert bekamen wir auch Haba-Cookies, Schokoladenkekse mit Rosmarin. Diese allerdings überzeugte die Hälfte des Tisches nicht, weshalb mehr für mich und meine Mitbewohnerin übrig blieb. Als ich schliesslich meinen Betrug auflöste, gab es natürlich grosse Augen und das Fazit: «Es war herrlich, da lässt man sich gerne was vorgaukeln.»

cla

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