Tag 10: Das Fleisch der Zukunft

In Laboren wird schon länger an In-Vitro-Fleisch herumgetüftelt. Was könnte da Veganer erwarten? BZ-Redaktorin Claudia Salzmann hat bei einer Expertin nachgefragt.

Andrea Staudacher in ihrem Atelier: «Vielleicht fragen wir uns in 50 Jahren, warum wir überhaupt je Tiere getötet haben.»

Andrea Staudacher in ihrem Atelier: «Vielleicht fragen wir uns in 50 Jahren, warum wir überhaupt je Tiere getötet haben.»

(Bild: Claudia Salzmann)

In einem Atelier im Progr arbeitet Andrea Staudacher, Kunststudentin und Grafikdesignerin, an einem interessanten Projekt. Vergangenes Jahr hat sie bereits ein Kochbuch über Insekten herausgegeben, das natürlich nichts für Veganer und auch sonst heikle Esser sein dürfte. Warum ich sie besuche, hat einen anderen Grund: Am vergangenen Samstag lud sie zur Infoveranstaltung, wo in zwei Referaten (siehe Box) In-Vitro-Fleisch (IVF) einem 50-köpfigen Publikum näher gebracht wurde. Damit wollte Staudacher zeigen, dass es nicht ganz so einfach ist, sich darüber eine Meinung zu bilden.

Staudacher schreibt ihre Masterarbeit zu diesem Thema. Ihr Anliegen ist vor allem: «Ich will, dass sich die Leute Gedanken über ihr Essen machen. Wir essen schon heute Sachen, bei denen wir nicht wissen, was genau drin ist. Fleischerzeugnis zum Beispiel.» Auch ihr Fleischkonsum habe sich während der Arbeit verändert. «Ich kaufe Fleisch nicht mehr selbst ein, sondern esse es nur noch im Restaurant oder bei Freunden. Schiebe so quasi die Schuld ab», erklärt sie weiter.

Zurück zum Anlass: Nach den Vorträgen durften die Besucher das IVF testen. Sie dürften sich geschmeichelt gefühlt haben, denn bisher wurde erst ein einziger Burger mit diesem Fleisch serviert, 2013 in London.

Was sie allerdings nicht wussten, war, dass die Referenten Schauspieler waren und es sich beim Degustationsfleisch um das vegetarische Tartar vom Tibits handelte. «Alle haben geglaubt, dass sie nun In-Vitro-Fleisch assen», erklärt Staudacher. Im Kleingedruckten auf den Fragebogen, die sie von den Besuchern ausfüllen liess, stand eine Webadresse, wo man über das Kunstprojekt aufgeklärt wurde.

«IVF wäre natürlich nichts für Veganer, weil es ist nichts anderes als normales Fleisch, das im Labor anstatt am Knochen wuchs», erklärt sie. Aber die Forschung sei schon einen Schritt weiter: Derzeit versuche man im Labor mit Algen Fleisch herzustellen. «Vielleicht werden wir uns in 50 Jahren sowieso fragen, warum wir überhaupt jemals Tiere getötet und gegessen haben», sinniert sie.

cla

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