Serienfutter von HBO

Weniger Informationen gleich mehr Spannung? Die Macher der HBO-Serien «Westworld» und «The Leftovers» finden ja, der Serienjunkie jein.

Roboter oder nicht Roboter, das ist in «Westworld» die Frage.

Roboter oder nicht Roboter, das ist in «Westworld» die Frage. Bild: zvg/HBO

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Ich mag keine Überraschungen. Entsprechend unentspannt sitze ich beim Achtgänger im Restaurant und muss Teller für Teller selbst erschmecken, was der preisgekrönte Chef da kreiert hat.

Dabei sollte ich mich als Serienjunkie längst daran gewöhnt haben, im Dunkeln gelassen zu werden. Immer mehr Fernsehproduktionen, vor allem jene des amerikanischen Senders HBO, spielen dermassen mit der Spannung, dass wohl selbst die Drehbuchautoren keine Ahnung mehr haben, worum es eigentlich geht. Oder wer letztendlich der Gute und wer der Böse ist.

«The Leftovers» zum Beispiel. In der 2014 gestarteten HBO-Serie verschwinden zum Auftakt 140 Millionen Menschen weltweit spurlos.

Trailer 1. Staffel «The Leftovers»

Was mit ihnen geschehen ist? Egal. Wie der Titel suggeriert, geht es ja um die Zurückgebliebenen und ihren Umgang mit dem Verlust. Viele von ihnen werden ultrareligiös und schliessen sich schrägen Kulten an. Etwa jenem, der das Sprechen verbietet und dafür seine Mitglieder zum Tragen weisser Kleider und zum Dauerschloten verpflichtet. Seine Motivation? Wer weiss. Wozu all die Zigaretten? Keine Ahnung. Und noch mal: Wohin sind all die Leute verschwunden? Who cares – jedenfalls nicht die Serienmacher. 2017 geht es weiter mit der dritten Staffel, vielleicht liefert ja diese Antworten.

Auch nicht gerade spendabel mit Informationen geht die eben im US-Fernsehen angelaufene und bereits jetzt hochgelobte HBO-Produktion «Westworld» um.

Trailer von «Westworld»:

Diese handelt von einer Westernstadt, einem Eldorado für Luxustouristen, die dort den inneren Cowboy von der Leine lassen können. Denn: Die Bewohner der Stadt sind lebensechte Roboter, und die Reisenden dürfen die Androiden nach Belieben niederschiessen, vergewaltigen oder foltern. Aber wer ist denn überhaupt ein Roboter und wer nicht? Und welches Ziel verfolgt der sadistische Seniorencowboy (Ed Harris)? Immerhin kann ich mir nach vier Episoden zusammenreimen, um was es in der Serie geht: Um die Frage, was Menschlichkeit ausmacht – ein schlagendes Herz oder das Verhalten?

So gesehen, mundet «Westworld» bis jetzt wie der Achtgänger: undurchschaubar, aber gut. Während mir «The Leftovers» schmeckt wie Leftovers eben – Speisereste.

Die Serie «The Leftovers», Staffel 1–2, ist auf DVD erhältlich (Warner). (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.10.2016, 15:27 Uhr

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