Panik!

Kindergartentag 730 von 730. Es ist vorbei. Bepackt mit müffelndem Turnzeug, löchrigen Finken, zwei Plastiksäcken voller Zeichnungen und einem selbst gedrehten Springseil machen wir uns auf den Heimweg. Eine Ära ist zu Ende.

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Während sich bei mir Wehmut breitmacht, ist es beim Kind Erleichterung. «Kindisch» seien die Kindergärteler, meint sie. «Langweilig» sei es gewesen. Immer nur spielen, das könne doch kein Mensch so lange aushalten. Zwei Jahre lang! Sie wolle jetzt lesen und rechnen. Und möglichst schnell gross werden. Autofahren, heiraten vielleicht. Und Astronautin werden.

Auf Wehmut folgt Panik. Was ist passiert? Hat jemand auf Zeitraffer umgeschaltet? Wo ist der «Reset»-Knopf? Zurückspulen bitte. Oder wenigstens kurz «Pause» drücken. Ich muss durchatmen, innehalten. Eben hatte ich ein Baby, Windeln, erste Schritte. Und nun bald eine Auto fahrende Astronautin. Oder eine verheiratete Autofahrerin. Oh Gott! Sie wird ausziehen, auf den Mars fliegen, und ich werde Grossmutter. Das Turnzeug müffelt mir entgegen und mir wird ein bisschen übel.

Ich sehe, wie sie sich freut, und das hilft. Keine Panik, denke ich mir, erst mal neun Jahre Schule. Alles easy. Bis auf dieses Turnzeug, das muss verbrannt werden. Plötzlich: «Du Mama, wann muss man eigentlich ausziehen?» Nun steht ihr die Panik im Gesicht. «Du darfst so lange bleiben, wie du willst», sage ich.

«Und darf ich heute Nacht bei euch schlafen?» Na klar.

Der Mars kann warten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.07.2016, 15:16 Uhr

BZ-Redaktorin Maria Künzli

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