Messiasse

Sportredaktor Fabian Ruch über die kleinen und grossen Messiasse, die im Fifa-Zirkus das Sagen haben.

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Nichts gelernt. So muss wohl das Fazit lauten, geht es um die neue Fifa-Führung um Präsident Gianni Infantino. Unter der Führung des Wallisers setzte der Fussballweltverband diese Woche die Chefkontrolleure Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert ab. Sie waren der Fifa wegen hartnäckiger Ermittlungen lästig geworden.

Der Reformprozess im schwer angeschlagenen Verband ist damit beschädigt worden. Die Kritik an Infantinos Vorgehen beschränkt sich aber vor allem auf Europa. Im Rest der Welt ist man froh, von der Fifa Millionensummen zu erhalten.

Gianni Infantino macht also genau dort weiter, wo sein Vorgänger aus dem gleichen Kanton, Sepp Blatter, aufhörte. Der machtbewusste Briger kopiert den machtbewussten Visper. Der Sturm der Entrüstung wird nur dann zum Problem, wenn sich Sponsoren, die wegen der Vorgänge bei der Fifa um ihr Image fürchten, einschalten. Die Fifa tut, was sie möchte.

Das bewies sie vor wenigen Tagen auch mit der überraschenden Begnadigung von Superstar Lionel Messi. Der Captain der argentinischen Auswahl war Ende März für vier WM-Qualifikationsspiele gesperrt worden, weil er gegen Chile (1:0) einen Linienrichter heftig beleidigt hatte. Die TV-Bilder beweisen das einwandfrei. Das nächste Spiel – ohne Messi – ging in Bolivien blamabel 0:2 verloren, die Fussballgrossmacht Argentinien bangt ernsthaft um die Teilnahme an der WM 2018 in Russland.

Eine WM ohne den Messias des Fussballs – das wäre für die Fifa ein schwerer Schlag. Und für die einflussreichen Sponsoren ohnehin, beispielsweise Adidas, das auch Argentinien ausrüstet und persönlicher Sponsor Messis ist. Der argentinische Verband hatte gegen Messis Sperre Einspruch erhoben, und das Fifa-Berufungsgericht mit Fachkräften unter anderem aus Bermudas und Fidschi, Färöern und Guam sprach den Spieler ­ohne Hemmungen frei. Messis Handlungen seien verwerflich, die Beweise aber nicht ausreichend. Das Urteil ist nicht anfechtbar, was Gegner Argentiniens ärgert, deren Fussballer für Beleidigungen gegen Spielleiter lange gesperrt wurden.

Zu Messis skandalösem Freispruch gibt es einige Gerüchte. Russlands Staatschef Wladimir Putin etwa habe persönlich interveniert, weil er sich eine Weltmeisterschaft in einem Jahr in seinem Land nicht ohne Lionel Messi vorstellen könne. Grosse und kleine Messiasse bestimmen das Geschäft bei der Fifa und im Fussball. So ist das auf dieser Welt.

Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.05.2017, 15:05 Uhr

Fabian Ruch, Sportredaktor.
Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch. (Bild: Andreas Blatter)

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