Irrfahrt

Über die Sanierung der Kirchenfeldbrücke, Dichtestress im Ersatzbus und bedepperte ÖV-Nutzer.

Die Herbstferien waren vorbei, und in der Berner Bronx jammerte mein Nachbar bereits morgens auf dem Weg zur Bushaltestelle. Nun quetscht sich bald wieder eine Armee von Menschen in den Ersatzbus. Vor allem abends auf dem Heimweg, da musst du schauen, dass du dich zumindest noch irgendwo festhalten kannst. Unsäglich, knurrte er. Eine Zumutung, pflichtete ich ihm bei. Ich könne es kaum erwarten, bis die Kirchenfeldbrücke saniert sei und endlich wieder das Tram in den Osten fahre.

Natürlich, es gibt Leute, die gerne in Sardinenbüchsen durch den Stossverkehr holpern. Die Könizer zum Beispiel hängen so sehr daran, dass sie ein Tram an der Urne ablehnten. Doch ich wurde in den letzten Monaten nicht warm mit unserem Ersatzbus. Immer wieder verpasse ich ihn, weil die Haltestelle weiter weg ist. Dann eiert das Gefährt stundenlang durch die Quartiere, wartet Ewigkeiten vor Ampeln und hinter Autos. Dabei wird mir dermassen schlecht, dass ans Surfen oder Whatsapp-Schreiben nicht mehr zu denken ist.

Das Ganze sei aber auch bereichernd, relativierte mein Nachbar, während wir zur provisorischen Haltestelle abzweigten. Die Aussicht von der Monbijou-Brücke. Der nahe Weg ins Marzili. Und die lustigen Szenen mit all den Deppen, die nicht begreifen, dass der Bus an Perron L nicht mehr nach Ostermundigen, sondern zu uns rausfährt.

In diesem Moment kamen wir bei der provisorischen Bushaltestelle an. Der Billettautomat war verschwunden, hinter uns rauschte das Tram davon. Wir Deppen hatten vergessen, dass die Kirchenfeldbrücke bereits wieder offen ist.

Berner Zeitung

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