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«Geits?»

Toilettengeschichten und der Unterschied zwischen Mann und Frau.

In einer Kneipe kommt alles zusammen. Nur auf den Toiletten teilt es sich – zumindest bisher. Ich war vor kurzem in einer grösseren europäischen Stadt. Und siehe da: Die WC sind nicht mehr mit den üblichen Symbolen angeschrieben. Es gibt keine Herren- beziehungsweise Damentoiletten mehr. Gendergerechtigkeit, sagte mir ein Einheimischer.

Ich finde das gut. Und doch. Das verändert was, finde ich. Weil letztens erzählte mir eine Freundin während ein paar Bieren, wie das so ist, dort hinter jenen Türen, wo es oft eine Schlange davor gibt und Männer keinen Zutritt haben.

Laut! Hemmungslos! Rücksichtslos! Offene Kabinentüren, Geplapper, Geplauder, Geschäker, Gejammer, alle Emotionen dieser Welt würden sich an diesem Örtchen Bahn brechen, sagte sie. Ein Zirkus.

Wie unterschiedlich wir doch sind, dachte ich. Bei uns Herren der Schöpfung geht das so: Stille. Herrliche Einsamkeit. Fünf Schritte bis zum Pissoir. Das «Chrt» des Reisverschlusses. Tröpfeln, eine Art Plätschern, dann sogar nahe an einem Rauschen. Die Tür quietscht. Schritte. «Chrt». Schnaufen. Ein Husten. «’n Aabe.» «Aabe.» Nebenan der Blick gesenkt. Anstrengung im Gesicht. Ein Tröpfeln gesellt sich zu meinem Rauschen. «Geits?» «Es muess. Bi Öich?» «Nümme so wie früecher.» «Tja.» «Mi wird nid jünger.» «Wo Dir rächt heit.» Mein Rauschen wird zum Plätschern, zum Tröpfeln und verstummt. «Chrt» macht der Reisverschluss. Schritte. Der Wasserhahn quietscht. Ein Rauschen gesellt sich zum angestrengten Tröpfeln. Dann das Knistern von hartem Papier in feuchten Händen. «Schöne Aabe.» «Glychfaus.»

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