Friede, Freude und so

Eine letzte Kolumne über Friede und die Liebe. Oder so.

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Worüber wirst du in deiner letzten Kolumne schreiben? Frau S. sitzt sehr entspannt auf einem der biergetränkten, aber begehrten Sofas im «Piwi». Das Pickwick’s Pub, muss man wissen, ist einer der letzten ­Orte, an denen frau inmitten von Männern eine halbe Stunde ­allein auf eine Freundin warten kann, ohne das Gefühl zu haben, verkrampfte #MeToo-Beanstandung twittern zu müssen (Warum, fragen Sie? Es hängen einfach zu viele Bildschirme von der Decke, die zu viele Fussball- und Dartspiele, die Snooker-WM und sonstigen Gugus zeigen, als dass Mann sich auf anderes konzentrieren könnte).

Ich weiss nicht, was ich schreiben soll, sage ich, und reisse die dritte Chipspackung auf. Vielleicht, dass der beste Znacht auf Erden Junk-Food-Znacht im Pub ist?

Oder: dass es nichts Besseres gibt, als sich besoffen im Tesla-Taxi nach Hause chauffieren zu lassen, schlägt Fräulein P. vor und stellt drei volle Pints auf das Tischchen.

Nein, sage ich, dann rufen wieder die vom Blauen Kreuz an. Und bevor ihr fragt: Ich werde auch nichts darüber schreiben, dass Trauffer in den niedersten Regionen der Cervelatprominenz herumsumpft.

Warum?, fragt Frau S.

Er macht jetzt Werbung für Schweizer Fleisch.

Gibt es bald Trauffer-Cer­velats statt Trauffer-Kühe?, ruft Fräulein P., und dann: Der hält seinen Kopf auch für jeden Schwachsinn hin! Stopp, sage ich. Ich darf weder in der «BZ» noch in der «SonntagsZeitung» noch im «Tagi» ausfällig ­werden.

Du schreibst also künftig für Greater Berne. Funky! Dann läster doch mal über die Berner im Zürcher HB, die die Rolltreppen verstopfen, weil sie nicht wissen, wie man sich ausserhalb der Lorraine bewegt?

Nein, nein, sage ich müde. Wisst ihr, ich finde alle grossen Bahnhöfe ziemlich schlimm. Und ich sehe mich als Weltenbürgerin, home is where my, äh, mitgebrachtes Mandelbärli is? Das sieht Booking.com übrigens genau so. Seit letztem Oktober, als ich auf Kreta weilte, schlägt es mir täglich Hotels und Pensionen vor, in denen ich nächtigen könnte – in Iraklio, Chania, Agios Nikolaos. Booking.com denkt, ich lebe auf Kreta, haha!

Bestell halt den Newsletter ab, sagt Fräulein P. und gähnt.

Geht nicht. Ich habe es 1879 mal probiert, sage ich.

Hä?

Scheeerz!, rufe ich, ich darf jetzt wieder offen FCSG-1879-Fan sein, jetzt, wo ich nicht mehr für die «BZ» arbeite.

Das Fräulein sagt: Also, dann schreib doch darüber – über Weltoffenheit. Friede. Liebe.

Ja, genau, sage ich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.01.2018, 09:29 Uhr

Nina Kobelt, Redaktorin.

Bern! Biel! Burgdorf! Das Leben! ­Nina Kobelt, Maria Künzli, Martin Burkhalter und Fabian Sommer führen an dieser Stelle unter dem Titel «Bern & so» die Kolumne «Greater Berne» weiter. Sie teilen abwechselnd ihre kleinen und grossen Beobachtungen. Alle Folgen finden Sie auf bernundso.bernerzeitung.ch.

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