Flückigers Nullnummer

Jürg Mosimann, der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern, hat für die BZ den «Tatort» geschaut.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen  Abständen zum «Tatort» zu Wort.

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort. Bild: Susanne Keller

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Mitunter Kommissare werden auf der Arbeit von privaten Problemen geplagt. Hier nervt der pubertierende Nachwuchs, dort die stets besorgte Mutter. Oft lenkt auch ein waschechter Beziehungsknatsch von der beruflichen Aufgabe ab. Ganz anders habe ich «Tatort»-Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) erlebt. Der schien zehn Folgen lang überhaupt kein Privatleben zu haben. Keine Schmetterlinge im Bauch, kein hausgemachter Zoff. Nichts, nada. Auf mich wirkte sein Liebesleben wie eine Nullnummer – bis gestern Sonntag.

Ein Racheengel und ein Auftrags­killer hielten das Luzerner Ermittlerduo auf Trab.

Nach genau sieben Filmminuten wurde ich eines Besseren belehrt. Der Flückiger pflegt ja ein Liebesleben! Mit einer Verheirateten zwar – aber immerhin. Das Glück war allerdings nur von kurzer Dauer. Der gehörnte Ehemann kam seiner Gattin auf die Schliche und drohte mit Aus- und Kinderentzug. Und Flückiger? Der reagierte so, wie man ihn auch vom Berufsleben her kennt: eigenwillig und unnahbar. Er schickte seine Geliebte zurück zur Familie. Gerade rechtzeitig, denn er und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) hatten mit den Nachwehen aus den Tschetschenien-Kriegen schon genug Probleme am Hals.

Es galt nämlich, den gewaltsamen Tod eines Journalisten zu klären. Der hatte offenbar zu hartnäckig über die Gräueltaten während der Konflikte recherchiert. Ein illegal eingereister Racheengel und ein skrupelloser Auftragskiller hielten das Luzerner Ermittlerduo ebenfalls auf Trab. Selbst die russische Botschaft mischte mit. Alle verfolgten sie nur ein Ziel: die Liquidation eines Kriegsverbrechers, der unter falschem Namen in der Schweiz lebte.

Die Drehbuchautoren Lorenz Langenegger und Stefan Brunner haben uns unter dem Titel «Kriegssplitter» (Regie: Tobias Ineichen) einen mutigen, aber zähflüssigen «Tatort» vorgesetzt. Und so nebenbei haben sie den Ermittlern im realen Polizeialltag gezeigt, dass es für die Bearbeitung und die Aufklärung komplexer Fälle mit internationaler Verstrickung wirklich nicht mehr als zwei Polizisten braucht.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.03.2017, 07:24 Uhr

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