Faber wird menschlich

Jürg Mosimann, ehemaliger Sprecher der Kantonspolizei Bern, meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort.

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«Da mag Sie ja jemand. Muss ein ganz neues Gefühl für Sie sein.» Diese wenig schmeichelhafte Äusserung von Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) an die Adresse ihres Vorgesetzten war zwar ganz schön happig. Ich musste ihr jedoch recht geben. Würde mich nämlich jemand fragen, ob ich ihm einen Kotz­brocken nennen könnte, dann würde ich ihm ganz bestimmt Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) empfehlen.

Der ungehobelte und höchst launische Dezernatsleiter im schmuddeligen Parka ging mir schon in früheren Folgen auf den Geist. Daran vermochten auch seine unumstritteneren Qualitäten als Ermittler nicht viel zu ändern. Also machte ich mich vor der neusten Folge «Tod und Spiele» (Regie: Maris Pfeiffer) erneut auf einen streckenweise widerwärtigen und mitunter recht zynischen Teamchef gefasst.

Falsch gedacht! Der Mann zeigte plötzlich Mit­gefühl, sorgte sich um das Wohl seiner Mitarbeitenden. Mir schien, als hätte Faber gerade die ersten Lektionen eines «Benimm dich»-Lehrgangs hinter sich. Die Fassade des vergrämten und sauertöpfischen Ermittlers wies nämlich deutliche Risse auf. Als er und Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) wegen einer verkohlten Leiche ausrücken mussten, gab er sich ungewohnt kooperativ.

Und so kamen sie auf die Spur einer illegalen Kampfsportszene. Gigantische Wetteinsätze und skrupellose Drahtzieher steckten hinter den Wettkämpfen auf Leben und Tod. Der Neue in Fabers Team, Kommissar Jan Pawlak (Rick Okon), stieg undercover in den Ring des dubiosen Fightclubs, während sich Kollegin Bönisch – ebenfalls als verdeckte Ermittlerin – erfolgreich an einen zwielichtigen russischen Oligarchen heranmachte. So nah, wie sich Männlein und Weiblein eben kommen können.

Verständlich, dass Faber dem Körpereinsatz seiner Kollegin eher skeptisch gegenüberstand. Dennoch wollte Bönisch ein eher ungewohntes Lächeln in seinem Gesicht gesehen haben. Keck gab sie ihm zu verstehen: «Lächeln ist ein gutes Zeichen, wenn man Mensch werden will.» Etwas, das sich auch gewisse Zeitgenossen merken sollten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.10.2018, 19:42 Uhr

Jürg Mosimann

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