Die zwei «S»

Maria Künzli rät dazu, Ratschläge zum Kinderkriegen generell zu ignorieren.

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Letzte Woche fragte sich Kollege Burkhalter an dieser Stelle, ob es angebracht wäre, erwachsen zu werden und eine Familie zu gründen. Jemand habe ihm das in einer Bar geraten.

Darüber, was die Qualität von Ratschlägen betrifft, die man in einer Bar bekommt, schweige ich mich aus. Was Ratschläge zum Kinderkriegen anbelangt, so lass dir gesagt sein, lieber Kollege: Ignoriere sie. Denn sie werden nie weniger.

Hast du kein Kind, rät man dir, eines zu machen. Weil du ja unglücklich sein musst, so allein. Hast du ein Kind, legt man dir nahe, ein zweites nachzuschieben. Am besten im 2-Jahr-Rhythmus, sonst haben die Kleinen ja nichts voneinander.

Und Einzelkind bedeutet: Egoeltern. Das sind solche, die sich ein Hintertürchen zum Leben davor offen halten wollen, sagen die einen. Es sind solche, die alles wollen, das Fünfi und das Weggli, sagen die anderen.

Abgesehen davon, dass ich nichts falsch daran finde, vom Leben alles zu wollen, das Fünfi und das Weggli, glaube ich, dass die Sache mit dem Glücklichsein komplizierter ist, als die angeblich so Erwachsenen uns vorgaukeln wollen.

Ich glaube nicht, dass das Glücklichsein mit dem Kind einfach so mitgeliefert wird. Genauso wenig, wie man als Kinderloser das Pech gepachtet haben muss. Trotzdem will ich dir den einzig gescheiten Satz, den mir eine weise Frau zum Thema Kinder mal mitgegeben hat, nicht vorenthalten, lieber Kollege Burkhalter:

«Kinder befreien dich unumkehrbar von zwei ‹S›: von der Sorglosigkeit. Und von der Sinnfrage.» Vielleicht ist das ja Erwachsensein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.06.2017, 16:09 Uhr

Maria Künzli, Redaktorin. (Bild: zvg)

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