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Das Handy ist zu jung für Jubiläen

Stefan von Bergen schaut in die Vergangenheit, um heute besser durchzublicken.

Vor 30 Jahren tauchte in der Schweiz das erste portable Telefon auf, das man in einer Hand halten konnte. Die Vorläufermodelle waren 20 Kilo schwere Telefonkoffer. Das handliche Natel C von 1987 hatte auch erstmals ein Netz, das nicht gleich zusammenbrach, wenn 1000 Leute gleichzeitig telefonierten. Mir kamen die ersten Handynutzer allerdings vor wie eine Sekte. In meinen Kreisen war klar: Das sind Technikfreaks und Angeber.

Vor 20 Jahren kaufte ich dann doch mein erstes Handy. Ich war Vater geworden und musste ja im Notfall erreichbar sein. Ich erinnere mich, dass das Teil in Telefonhörerform mit Stummelantenne in keine Jeanshosentasche passte. Wie ein Analphabet lernte ich, auf den Tasten SMS zu tippen.

Vor 10 Jahren warf Apple das erste iPhone auf den Markt. Ich zögerte wieder: Ich brauche doch kein Smartphone, das strahlt und mir kostbare Lebenszeit raubt. Mittlerweile ­gehöre ich längst zur globalen Community, die bei Wartezeiten über einer Minute auf den Touchscreen glotzt.

30 Jahre, 20 Jahre, 10 Jahre sind zu kurze Zeiträume für Gedenkfeiern. Die Vermehrung der Handys entzieht sich Jubiläen. Weil sie so schnell vor sich geht. 1952 gab es in der Schweiz 665'000 Festnetzanschlüsse. Heute sind in der Schweiz 11 Millionen Handys in Gebrauch. Weltweit gibt es so viele wie Menschen: 7 Milliarden. Im Jahr 2000 waren es erst 738 Millionen. 47 Prozent der Handys sind heute Smartphones. Kein anderes Gerät in der Geschichte hat sich so ­rasant ausgebreitet.

Vielleicht, denke ich, feiert man keine Handyjubiläen, weil man für eine Bilanz noch zu wenig darüber weiss, wo das Handyfieber hinführt. Keine Generation hat schon ein ganzes Leben mit dem Handy verbracht. Ich bin ihm erst um die 40 begegnet, meine Söhne, die mit dem Handy aufwuchsen, sind erst um die 20. Wird meine und ihre Handyverrücktheit mal abflauen? Pendelt sich das irgendwie ein? Keine Ahnung.

Mein Rückblick in die Handy­ära zeigt mir nur, wie schnell ich älter werde. Und wie lächerlich es war, mir einzubilden, ich könne edel und selbstbestimmt dem Sturm der Technik widerstehen.

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