91 Punkte? So, so.

Nina Kobelt über zufriedene Postkunden und Mailverkehr im Schneckentempo.

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Diese Woche ereilte mich eine Pressemitteilung der Post. Titel und Hauptaussage derselben: «Die rund 23'000 befragten Privat- und Geschäftskunden sind sehr zufrieden mit der Schweizerischen Post.» Die «Zustellqualität» etwa erreiche 91 von 100 Punkten. So, so, dachte ich.

Nein, ich lasse mich jetzt nicht über die sogenannten Filialen mit Partner aus. Im Gegenteil, ich mag sie ganz gern, meine ist, in Form eines winzigen Postschalters, in einer Apotheke am Rand der Stadt einquartiert und liegt so nah bei meiner Wohnung, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben sofort auf Abholungseinladungen reagiere.

Letzthin stand ich in ebendieser Agentur, kaufte Nagellack und Gesundheitstee, packte alles in einen Karton und gab das Päcklein auf. Ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwester in der Ostschweiz. A-Post, rief ich der Apothekerin fröhlich zu, es eilt!

Am Abend dann tippte ich online «Sendung verfolgen» ein, juhuu, das Paket war schon in Frauenfeld sortiert worden.

Und dann geschah sechs Tage lang nichts mehr. Ausser, dass ich meiner Schwester, die ganz und gar nichts im Briefkasten vorgefunden hatte, zum Geburtstag gratulierte. Am Telefon. Und ich mich danach, wieder online, bei der Post wegen des verloren gegangenen Päckli beschwerte.

Zwei Tage später bedankte sich meine Schwester für das Gschenkli (worin das bestanden hatte, hatte ich in dem Moment schon vergessen).

Ende gut, alles gut? Fast! Sieben Tage später erhielt ich eine Mailnachricht vom Kundendienst der Post. Man habe sich erst jetzt um mein Anliegen kümmern können, stand dort, und zwar «aufgrund des hohen E-Mail-Volumens». Ich möchte doch bitte eine «detaillierte Inhaltsbeschreibung» mit, falls möglich, Fotos des Inhalts liefern. Hihi.

Nun, leider war ich ja nicht unter den oberen 23'000 gewesen, welche die Post beurteilen durften. Doch ich wage vorsichtig zu behaupten: Wenn sogar der Mailverkehr nur im B-Post-Tempo funktioniert, sind die 91 von 100 Punkten vielleicht ein wenig optimistisch.

Immerhin: Meine Schwester hat jetzt die Nägel schön. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.10.2017, 11:24 Uhr

Bern! Biel! Burgdorf! Das Leben! ­Nina Kobelt, Maria Künzli, Martin Burkhalter und Fabian Sommer führen an dieser Stelle unter dem Titel «Bern & so» die Kolumne «Greater Berne» weiter. Sie teilen abwechselnd ihre kleinen und grossen Beobachtungen. Alle Folgen finden Sie auf bernundso.bernerzeitung.ch. (Bild: Nina Kobelt)

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