Wo der Kunde König ist

Fabian Sommer über den besten Kundendienst der Welt.

Es sei nun mal so, sagte der alte Bekannte und verschränkte die Arme, als wolle er deutlich machen, dass er keine Widerrede dulde. In der besten suburbanen ­Gemeinde der Welt («Brügg bei Biel!») stehe das beste Einkaufszentrum der Welt («Centre Brügg!») mit dem besten Kundendienst der Welt («Migros!»).

Dann brachte er Beispiele vor, um seine Behauptungen zu untermauern. Seinem Sohn sei das eben gekaufte Spielzeugauto auf dem Parkplatz runtergefallen, das Chassis habe sich gelöst. Der Kundendienst so: kein Problem, neues Auto. Dann sei ihm auf dem ersten Flug mit dem neuen Koffer ein Reissverschluss gerissen. Der Kundendienst so: kein ­Problem, volle Gutschrift.

Der alte Bekannte verschränkte die Arme, als wolle er deutlich machen, dass er keine Widerrede dulde.

Ein paar Tage später war ich in besagtem Einkaufszentrum. Als ich es wieder verliess, wusste ich, dass der Bekannte in ­allen Punkten recht hat.

Ich brauchte einen Gutschein. Früher, dachte ich, waren das Zettel, auf die ein Mitarbeiter einen Betrag schrieb, einen Stempel darauf knallte und gut. Heute, merkte ich, läuft das wesentlich kundenfreundlicher. Etwa so:

Ich: «Hallo, ich hätte gern einen Gutschein.» Kundendienstmitarbeiter: «Gerne. Welches Sujet?» Ich: «Sujet?» (Kundendienstmitarbeiter zeigt auf einen Ständer mit rund zwanzig Motiven.) (Ich sehe kreditkartenkleine Kärtchen in allen Variationen. Entscheide mich für das rote, mit dem Herzchen.) Er: «Möchten Sie ein Schöggeli, das an der Karte festgemacht wird?» Ich: «Äh, nein danke.» Er: «Eine Schleife?» Ich: «Nein danke.» Er: «Möchten Sie, dass man den Betrag auf der Karte sieht oder möchten Sie die Karte mit einem frei wählbaren Betrag aufladen?» Ich: «Man darf den Betrag ­sehen. 35 Franken bitte.» Er: «Äh, wir haben bedruckte Karten nur für 10, 20, 50 und 100 Franken.» Ich: «Kein Problem, dann ­laden Sie mir eine auf. Für 30.» Er: «Sehr gern. Möchten Sie die Karte so oder in einem ­Geschenkkuvert verpacken?» Ich: «Gerne ein Kuvert.» Er: «Welches Sujet?»

Berner Zeitung

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