Pornos für Frauen? Gähn.

Lucie Machac lotet Grenzen aus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist Zeit, über Pornos zu reden. Darüber, dass Frauen angeblich intelligente Pornos sehen wollen. Das behauptet jedenfalls die Pornoregisseurin Erika Lust in einem Interview, das mir kürzlich aufgefallen ist.

Die Frau mit dem einfältigen Künstlernamen dreht – oha – feministische Pornofilme. Wer sich bei dieser Vorstellung wie ich devot wegduckt: Feministisch meint nicht, dass Männer sexuell versklavt werden. Und nein, die Darstellerinnen sind auch nicht hässlich.

Vielmehr will Madame Lust den gängigen Schmuddelpornos, von denen sich Frauen «angeekelt fühlen» sollen, ihre «intelligenten» Produktionen entgegensetzen. Will heissen: Pornos mit einem «Narrativ», einer Erzählhandlung, am besten jenseits der üblichen Rollenklischees.

Also keine Chefs, die ohne vorgängige Konversation Sekretärinnen vernaschen? Keine Pizzaboten, die Hausfrauen befriedigen? Ich lese weiter. Der feministische Unterschied besteht bei Madame Lust darin, dass die Frau die Pizza vor dem Sex bezahlt – und nicht mit dem Sex. Ich muss laut herauslachen.

Doch dann komme ich ins Grübeln. Bin ich jetzt unemanzipiert, weil ich gern hirnlose Mainstreampornos schaue? Muss ich mich als Frau gar schämen, dass mich die Fantasie anmacht, Pizza mit hartem Sex zu bezahlen? Ich starte eine kleine Umfrage im Freundinnenkreis.

Jene, die Pornos konsumieren, spulen wie ich das nar- rative Vorgeplänkel meist vor. Eins zu null für mich, Madame Lust.

Die Vorlieben meiner Freundinnen sind ausserdem erstaunlich freizügig. Lesben, Dreier mit zwei Männern, Prügel, Sex mit Chef, Pornos mit Übergewichtigen, und ja, auch Pornos im Sinne von Frau Lust sind dabei. Die Political Correctness hat die ruchlosen Sphären der Lust offenbar noch nicht penetriert. Zwei zu null.

Auch wenn meine Umfrage nicht repräsentativ ist, bin ich sicher: Dass Frauen intelligente Pornos sehen wollen, ist kein feministischer Trend. Das ist kommuner Blödsinn.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 30.05.2017, 16:55 Uhr

Artikel zum Thema

Walliser Fusel mit Nachgeschmack

Gregor Poletti blickt in die Regionen. Mehr...

Ohne Visum nach Kiew

Andreas Saurer blickt über den Hag. Mehr...

Das Handy ist zu jung für Jubiläen

Stefan von Bergen schaut in die Vergangenheit, um heute besser durchzublicken. Mehr...

Dossiers

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Blogs

Gartenblog Bastelanleitung für einen Blumenbogen

Bern & so Flöten gehen

Service

Die Welt in Bildern

Ab in den Matsch: Teilnehmer der Ostfriesischen Wattspiele versuchen im Schlamm Fussball zu spielen. (19. August 2017)
(Bild: Carmen Jaspersen) Mehr...