Der Wahlkampf

In Bern ist wieder vor den Wahlen. «The New York Times» hilft bei der Auswahl. Nicht vom Stapi, aber von Serien.

Die Qual der Auswahl auf www.nytimes.com/watching.

Die Qual der Auswahl auf www.nytimes.com/watching.

(Bild: zvg/screenshot)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Nach den Wahlen ist in Bern vor den Wahlen – und die Wahl für die passenden Weihnachtsgeschenke steht auch schon wieder an. Das erste Kerzlein brennt wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen, die noch geschlossenen Türchen des Adventskalenders pochen wie das verräterische Herz bei Edgar Allan Poe. Aber genug der dramatischen Bilder, es gibt einen Lichtblick: «The New York Times» nimmt uns eine Entscheidung ab und bietet neu eine Onlineplattform an, die typgerecht evaluiert, welche Fernsehserie man sich als Nächstes anschauen soll.

Das Ganze läuft unter der Adresse www.nytimes.com/watching und funktioniert so simpel wie eine Schneekugel: Als Erstes werden die Benutzer aufgerufen, ihren aktuellen Gefühlszustand auszuwählen. In Anbetracht der vielen anstehenden Eierpunschbesäufnisse klicke ich zu Anschauungszwecken mal auf «witty» (witzig). Nun gehts ans Genre. Da in Bälde Elfen und Rentiere das Zepter übernehmen, fällt die Wahl leicht: «Fantasy». Und schwups! Schon ist der Entscheid gefallen: «Buffy – Im Bann der Dämonen» soll ich mir in dieser christlichen Zeit ansehen. Nur dumm, dass ich die Teenagerserie aus den Neunzigerjahren schon so gut kenne wie den Text zu «Alle Jahre wieder».

Ich beginne von neuem und suche nach einer Serie, die süchtig macht. Eine Comedy. Über Familien. Zack! Schon schneit es das Ergebnis rein: «Arrested Development», «Roseanne» oder «King of the Hill». Kenn ich. Kenn ich. Find ich doof.

Und noch ein Versuch: düster, Drama, HBO. «True Detective», «The Leftovers», «The Wire», «The...», die Ergebnisliste, die «The New York Times» ausspuckt, fällt so endlos aus wie die Weihnachtswunschliste eines Sechsjährigen.

So wird das nichts mit Entscheidungserleichterung, liebe «New York Times»! Immerhin weiss ich jetzt, was ich meinen Liebsten zu Weihnachten schenken werde: Entscheidungswürfel. Dreimal «Ja», dreimal «Nein», so einfach fielen Wahlen noch nie aus.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt