Traumpaar

Die meisten Fenster in der Berner Bronx waren noch dunkel, als ich mich ins Tram schleppte und hinter einem blutjungen Paar Platz nahm. Sie hatte ihren Kopf auf seine Schulter gelegt, er trommelte mit seinen Fingerspitzen auf ihren Oberarm.

Er: «Wohin fahren wir? Grauholz, oder?»

Sie: «Grauholz ist eine Autobahnraststätte.»

Er: «Bern ist so kompliziert. Beim Shoppen verlaufe ich mich immer.»

Sie: «Es hat doch nur eine Hauptgasse.»

Er: «Aber dahinter sind so viele kleine Gassen!»

Sie: «Hm.»

Er: «Dann fahren wir bis Brünnen?»

Sie: «Bärenplatz.»

Er: «Wie lange dauert das?»

Sie: «Hör auf zu fragen. Es ist zu früh.»

Er: «Ich liebe diesen Zustand! Den hat man nicht einmal im Ausgang.»

Sie: «Sprich doch nicht so laut.»

Er: «Nein, wirklich! Auch ein Sonnenaufgang ist doch viel geiler als ein Sonnenuntergang.»

Sie: «Hm.»

Er: «Nun, wenn man ihn zu oft sieht, verliert er natürlich seinen Reiz.»

Schweigen.

Er: «Also wie lange fahren wir jetzt noch?»

Sie brach in Gelächter aus und knuffte ihn in die Seite.

Dieses Paar möchte ich in vierzig Jahren wieder im Tram antreffen.

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