Linker Übereifer

Peter Meier klopft ­der Politik auf die Finger.

Peter Meier@bernpem

Jüngst staunte der provinzielle Restbasler in mir wieder einmal tüchtig über die exzentrische Schaffenskraft der Weltstadt Zürich. Namentlich über jene des linken Stadtrats Richard Wolff.

Der städtische Polizeivorsteher sah sich nämlich dazu berufen, in seinem Revier persönlich auf Sprachstreife zu gehen. Er muss dabei gar Schreckliches erlebt haben. Denn danach verfügte er: In Zürcher Polizeimeldungen wird ab sofort die Nationalität von Tätern und Verdäch­tigen nicht mehr genannt!

Alles andere sei diskriminierend, begründete Wolff den Entscheid, weil damit angedeutet werde, eine kriminelle Tat lasse sich mit der Nationalität des Täters erklären. Er habe eigens abgeklärt, ob die Nennung der Nationalität unerwünschte Wirkungen habe, sagte Wolff auch noch. Ich glaube sofort, dass er dabei sehr penibel war. Offensichtlich hat er ja auch nichts Gescheiteres zu tun. Ich hege auch nicht den Hauch eines Zweifels, dass ihn nur ­allerbeste sozial-harmonische Absichten leiten.

Aber denken wir das mal zu Ende. Angenommen, in Zürich kommt es in diesem Winter zu einer Einbruchserie. Und die Täter sind – sagen wir mal – eine Gruppe junger Usbeken im Alter zwischen 16 und 20 Jahren. Wie vermelden das nun die Stadtpolizisten, da die Herkunftsnennung verboten ist? «Junge Männer mit Migrationshintergrund verüben Einbruchserie.»

Klingt akzeptabel, widerspricht Wolffs alternativer Logik aber gleich doppelt: Erstens hat hierzulande ein ganz erheblicher Teil unserer Mitbewohnerinnen und Mitbewohner einen Migrationshintergrund. Die Stadtzürcher Polizei würde so also eine ganze Bevölkerungsgruppe in globo denunzieren.

Zweitens fristen Männer in der Schweiz eh schon ein Minderheitendasein – und sind obendrein in ihrer juvenilen Daseinsform krass benachteiligt. Nicht unbedingt durch die Gesellschaft, aber durch ihren Testosteronüberschuss. Item. Vielleicht so: «Jugendliche verüben Einbruchserie.» Nein, geht auch nicht. Sprachpolizist Wolff wird ja wohl kaum eine ganze Generation stigmatisieren wollen. Also Alter weg, Geschlecht weg: «Menschen verüben Einbrüche.»

Aber ist das nicht immer noch diskriminierend? Schliesslich habe ich auch schon von dressierten Affen gehört, die eigens für Einbrüche abgerichtet ­werden. Bleibt also nur: «Lebewesen brechen ein.»

Ach Herr Wolff, haben Sie ein Einsehen: Verhängen Sie doch lieber gleich ein Totalverbot von Polizeimeldungen. Ihre Stadtpolizei ist doch mit Ihnen schon genug gestraft.

Berner Zeitung

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