Die Aare runter

Nina Kobelt über die schönen – und wirklich wichtigen Dingen – in Bern.

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Letzthin stand ich auf der Kornhausbrücke und dachte ein wenig über den «Bachelor» nach, als mich just Postkartenbern einholte. Und das nur, weil ich zufällig nach rechts schaute, wo der Himmel brannte, orange, pink, also in der ganzen Kitschpalette. Ich drehte geblendet den Kopf und sah linker Hand in der Ferne die Alpenkette leuchten, Berge in einem kalten Eierschalenweiss, so Winter-Is- Coming-Game-of-Thrones-mässig.

Mich fröstelte ob der ganzen Schönheit, und gleichzeitig wurde mir klar: Es ist wieder einmal Zeit, all die schlechten Gedanken loszuwerden, die sich im November jeweils so ansammeln– und sie mitsamt den Gedanken an den «Bachelor» über die Brüstung zu werfen.

Zum Beispiel meine Aggressionen gegen alle Läden, die mich mit SMS bombardierten, in denen sie mich aufforderten, bei diesem irren Black-Friday-Shopping-Wahnsinn mitzumachen. Danke, aber nein danke, ich bin eh schon pleite. Thanksgiving-Einladungen ignorierte ich auch, es fehlte grad noch, dass wir jetzt Truthähne in unsere Öfen stopfen.

Ich mag Zibelekuchenfestival im Büro eben lieber, aber das wird ja auch heuer nicht möglich sein. Weil ganz bestimmt jemand die Nase rümpfen und sich alle zieren werden, weil: ­Zibele. Hey. Einmal im Jahr. Einmal! Was noch? Diese Woche sagte ich so nebenbei: FCB? Find ich geil. Kam nicht gut an.

Das Fräulein P. und die Frau S. würden jetzt noch anfügen, sie wünschten sich einen geheizten Aareabschnitt, aber ihre Wunschvorstellung wäre ja eh: Zur Arbeit mit Uber und am Abend heimschwimmen. Mir ist das mit der Aare herzlich egal, ich laufe lieber, und es stimmt mich traurig, dass die Bären nicht mal mehr den Kopf anheben, wenn ich am Park vorbeigehe. Sie halbschlafen und erinnern mich dann immer ein bisschen an den Stapi, dessen Name schon viele wieder vergessen haben, weil, nun ja.

Sorry, Herr von Graffenried. Dafür regieren Sie eine schöne Stadt. Durch die die Aare fliesst, in der jetzt alle ärgerlichen Dinge schwimmen, auch der «Bachelor», so symbolisch, mein ich. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten oder was auch immer Sie gerade feiern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.11.2017, 18:43 Uhr

Bern! Biel! Burgdorf! Das Leben! ­Nina Kobelt, Maria Künzli, Martin Burkhalter und Fabian Sommer führen an dieser Stelle unter dem Titel «Bern & so» die Kolumne «Greater Berne» weiter. Sie teilen abwechselnd ihre kleinen und grossen Beobachtungen. Alle Folgen finden Sie auf bernundso.bernerzeitung.ch. (Bild: Nina Kobelt)

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