Neymars Streich

Die Gesichter, die das Fussballjahr 2017 geprägt haben – regional, national und international.

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Gegen Jahresende werden auch im Fussball allenthalben Awards verliehen. Für das deutsche Fachmagazin «Kicker» beispielsweise ist Freiburgs Trainer Christian Streich der Mann des Jahres. Streich ist eine Art Antithese zum wilden, verrückten, entrückten Business mit sagenhaften Ablösesummen, volltätowierten Jungstars, nervösen Social-Media-Eruptionen.

Streich ist geerdet, sozial, wohltuend normal. Ein Fels in der Brandung, der Haltung zeigt und sich regelmässig kritisch zu unschönen Entwicklungen äussert. Im Fussball. In der Gesellschaft. Im Leben.

Mehr Christian Streichs, bitte, ist man geneigt zu schreiben – aber das ist leichter gefordert als umgesetzt. Denn vermutlich ist es nicht ganz so einfach, die Bodenhaftung zu halten, wenn man von Medien und Fans zu einer Art Halbgott hochgejubelt wird. Und das wird mittlerweile im überhitzten Fussball schier jeder, der dreimal unfallfrei jonglieren kann. Oder als Trainer in einer Topliga arbeitet. Es gibt nicht mehr viele Streichs in diesem Geschäft. So ist das nun mal.

Auf der Suche nach unserem Mann des Jahres haben wir uns für drei Männer des Jahres entschieden. Einen regionalen. Einen nationalen. Und einen internationalen.

Im regionalen Fussball verleihen wir den Preis auch für ein Lebenswerk. Uns gefällt Kurt Feuz, Münsingens ewiger Trainer, der in vielerlei Hinsicht an Streich erinnert. Mit seiner Klubtreue. Oder mit seinen Prinzipien. Und mit seiner nachhaltigen, löblichen Arbeit. Im Herbst 2017 ist Feuz, der frühere YB-Fussballer, mit einem Cupspiel gegen die Young Boys für sein beharrliches Schaffen belohnt worden.

National entscheiden wir uns... nicht für Christoph Spycher, den erfolgreichen YB-Sportchef mit Münsinger Vergangenheit. Das wäre für eine Berner Zeitung zu lokalpatriotisch. Unsere Auszeichnung geht an den schwulen Schiedsrichter Pascal Erlachner. Als Anerkennung für seinen Mut, sich im immer noch ziemlich homophoben Fussball zu outen. Wobei sein Coming-out im «Blick» und in einer SRF-Doku kurz vor der Winterpause arg durchorchestriert wirkte. Traurig, ist das 2017 noch nötig. Noch immer hat sich kein aktiver Profi geoutet.

International schliesslich möchten wir nicht den «Kicker» und dessen wirklich ausgezeichnete Wahl imitieren. Wir entscheiden uns für Neymar. Warum? Weil der brillante Brasilianer wie Streich für alle Facetten im Geschäft steht – und auch ein wenig für die furchterregende Entwicklung im Milliardenmarkt Fussball. Und weil sich Neymar von seinem fabelhaften Kaufpreis nicht beirren liess. Der Viertelmilliardenfussballer von Paris Saint-Germain macht jeden Klub der Welt deutlich besser.

Zudem wollen wir im Sommer 2018 grossmäulig behaupten können, wir hätten prophezeit, dass Neymar sein Land zum WM-Titel führt. Was wir andieser Stelle erledigt hätten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.12.2017, 07:50 Uhr

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