Jeder Bissen zählt

Redaktor Peter Meier sinniert über Ideen für unsinnige SRF-Sendungen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jetzt kommt die auch noch. Das war wohl der erste Gedanken der TV-Macher im Leutschenbach, als sie Mitte Juni den magistralen Worten von Doris Leuthard lauschten: Die SRG müsse näher ran ans Publikum, vorab ans junge, gab die Medienministerin ihren als Wunsch getarnten Auftrag durch. Und die TV-Programme müssten sich künftig stärker von jenen der Privaten unterscheiden.

Zumindest diese Forderung dürfte in der SRG-Belegschaft für Verwirrung gesorgt haben. Immerhin erzählt ihr Chef Roger de Weck ja neuerdings jedem, der es nicht hören will, die SRG habe mit dem Kommerzpöbel nichts gemein und sei die letzte Bastion des Qualitätsjournalismus.

Aber der hilft ja auch nichts, wenn alle wegzappen. Und Staatsauftrag ist schliesslich Staatsauftrag. Also hat man sich beim SRF dann doch artig auf den Hosenboden gesetzt und grosse Projekte gewälzt. Zum Glück kam gleich die Sommerpause. Genügend Zeit also, die gebührenfinanzierten Brains stormen und die Ideen sprudeln zu lassen. Das Resultat vernahmen wir Anfang Woche: ein «Arena»-Polittalk direkt aus Como.

Statt wie RTL abgehalfterte B-Promis im australischen Dschungelcamp mit allerlei Getier zu konfrontieren, wollte SRF im italienischen Flüchtlingscamp Möchtegern-A-Politiker auf Migranten loslassen. So geht Relevanz, liebe Privatsender! Aber bekanntlich wurde nix draus. Sture Behörden, kennt man ja.

Nie realisiert wird darum auch, was ich mir nach dieser selten dämlichen SRF-Idee ohne weiteres hätte vorstellen können. Zum Beispiel eine Kombination der Como-«Arena» mit einer Sonderausgabe von «Jeder Rappen zählt»: Im Vordergrund hätte die Politik diskutiert, im Hintergrund hätten SRF-Mitarbeitende die Resten des «Arena»-Apéros telegen im Flüchtlingscamp verteilt. Arbeitstitel dieses Service public: «Jeder Bissen zählt».

Im gleichen Unsinn und Quotengeist wäre es gewesen, in Como auch gleich noch die nächste «Happy Day»-Folge aufzuzeichnen – und vor der Kamara einem der Migranten wahlweise eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu überreichen oder ein Ticket für eine geführte Bus­reise quer durch die Schweiz ­direkt nach Deutschland. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.09.2016, 10:30 Uhr

Peter Meier schreibt die Kolumne «Greater Berne» abwechselnd mit den Redaktoren Maria Künzli, Fabian Sommer und Nina Kobelt. (Bild: Urs Baumann)

Artikel zum Thema

Entweder oder

Greater Berne In or out?, fragt Frau S. und hält ihre Haarbürste über ihren Rucksack. Out, schreien das Fräulein und ich. Mehr...

Dossiers

Kommentare

Blogs

Von 120 auf 5 Minuten

Gartenblog Giessen, giessen, giessen

Die Welt in Bildern

Beliebtestes Verkehrsmittel: Ein Nordkoreaner schiebt sein Fahrrad über den Kim-ll-Sung-Platz in Pyongyang. (24.Juli 2017)
(Bild: AP Photo/Wong Maye-E) Mehr...