Eine Stadt im Wandel

Wie sich Ruf und Realität der Stadt Biel voneinander unterscheiden.

Es gab Pulled Beef, der alte Bekannte und seine Frau, die beide am gleichen Tag Geburtstag haben und sich ausserdem an ebendiesem kennen gelernt hatten, luden zur Geburtstagsparty in der besten suburbanen Gemeinde der Schweiz. Brügg bei Biel, Baby.

Das Pulled Beef war saftig und zart, 22 Stunden lang hatte es der Bekannte auf dem Grill gegart. Ein Aufwand, der sich vollumfänglich gelohnt hatte.

Am Tisch sassen: ein Ingenieur, der Deckelprüfsysteme herstellt. Ein Banker. Eine Primarlehrerin. Ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Instituts für Metrologie. Eine Psychologin. Und ein Journalist. Es wurde eine angeregte Diskussion, und wie oft war unsere gemeinsame Heimatstadt das Thema. Wir sprachen über das Image von Biel, um das es ja noch immer nicht überall zum Besten steht. Immer, wenn Oberländer nach Biel kämen, sagte der Ingenieur, seien sie aufrichtig erstaunt, dass sie, ohne abgestochen oder verprügelt zu werden, durch Bahnhof und Innenstadt marschieren könnten.

Biel wandle sich gerade sehr, entgegnete die Psychologin. Genau, sagte der Mitarbeiter des Instituts für Metrologie. Richtig, sagte die Primarlehrerin. Wir zählten gemeinsam Belege für diese These auf. Neue, schöne Überbauungen! Neue Pärke! Neue Sportstätten! Die endlich belebte Altstadt! Mehr Kindertagesstätten! Weniger Schmuddelecken! Weniger Dealer! Weniger Schlägereien!

«Hey», sagte der Banker. «Ende 2018 verlegt die Grossbank UBS nicht weniger als 600 Arbeitsplätze von Zürich zu uns.» Alle schwiegen einen Moment. Bald also, meinte der Ingenieur, steige die Kriminalitätsrate in Biel wieder.

Berner Zeitung

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