Die Super-Flegel

Von wegen Cape und Gadgets: In der Serie «Misfits» tragen die fluchenden Helden Haftanzüge.

Die neuen Superhelden tragen Orange, jedenfalls in «Misfits».

Die neuen Superhelden tragen Orange, jedenfalls in «Misfits». Bild: zvg

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Es ist ein unfeministischer Traum von mir: dass mir mal ein Mann auf dem Jahrmarkt ein grosses Plüschtier schiesst. Und mit gross meine ich ein riesiges, das einen Kleinwagen füllt. Der wäre mein Held.

In Filmen mussten Supermannen (und eine Handvoll-frauen) lange mehr leisten. Die Welt retten oder zumindest die schöne Maid. In Strumpfhosen manchmal, oder in Capes. Meist mit einem durchtrainierten Körper und ideologischer Haltung.

Seit dem Kinohit «Hancock» (2008) gibt es nun eine Reihe von Flegelhelden, die lieber saufen und raufen, als den bösen Buben das Handwerk zu legen. Aktuell: «Deadpool». Da flucht sich Ryan Reynolds durch alle Obszönitäten, die der Duden hergibt. Zart Besaitete sind brüskiert.

Englische Fernsehmacher haben dafür nur ein mildes Lächeln übrig. «Misfits» heisst eine Serie über fünf vorbestrafte Jugendliche, die zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert wurden – und die bereits 2009 auf dem Sender E4 Premiere feierte. Während eines Sturms erlangen die fünf Protagonisten unverhofft Superkräfte. Statt zu überstilisierten Superhelden zu mutieren, müssen sie erst mal ihre Sozialstunden abarbeiten – und die neu gewonnenen Kräfte einsetzen, um einen toten Bewährungshelfer verschwinden zu lassen.

Auch sonst haben sie wenig mit Clark Kent, Bruce Wayne oder Peter Parker gemein: Sie sehen weitgehend naja aus, haben Ausdrücke auf der Zunge, von denen der Duden noch nie gehört hat – und ihr Kostüm ist ein unvorteilhafter Haftanzug. Ein besonderes Schmankerl für Serienjunkies: Iwan Rheon, der in «Game of Thrones» den sadistischen Ramsay Bolton gibt, spielt in «Misfits» einen Wunderling, der sich unsichtbar machen kann (man stelle sich diese Gabe bei Ramsey vor! *schauder*).

«Misfits» ist keine Serie der Superlative, aber ihre Helden retten den einen oder anderen Serienabend. Nur Stofftiere schiessen sie keine.

Wer Zeit hat, kann sich gleich einmal die erste Episode reinziehen:

Die komplette Serie ist als DVD erhältlich (Polyband/ WVG) und läuft auf Netflix. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2016, 13:33 Uhr

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