Die Arschlochmetamorphose

Launige Menschen ändern ihren Charakter im Stundentakt. Einige Serienfigur für immer. Neustes Beispiel: Danny aus «The Mindy Project».

Da hilft kein nackter Hintern mehr: Danny (Chris Messina) aus «The Mindy Project» ist nur noch ein Arsch.

Da hilft kein nackter Hintern mehr: Danny (Chris Messina) aus «The Mindy Project» ist nur noch ein Arsch. Bild: zvg/Hulu

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Wenn das Grüssen zur Glücksache wird und jede Annäherung einer Pirsch gleichkommt, bewegt man sich im Umfeld launischer Menschen. Ich verstehe diese Gattung nicht. Ist es wirklich unmöglich, den Hintern zusammenzukneifen und die Schlechte-Laune-Attacke mit etwas Grösse zu meistern? Oder den kommunikativen Frontalangriff zu wagen? «Entschuldige bitte, aber ich bin launisch und habe gerade überhaupt keine Lust, deine Frage zu beantworten.» Das wäre immer noch besser, als jemandem grundlos an den Kopf zu springen.

Immerhin: Launische Menschen sind keine grundsätzlichen Miesepeter. Mit etwas Glück herrscht nach einer halben Stunde wieder eitel Sonnenschein auf ihren Gesichtern. In Fernsehserien beobachte ich des Öfteren einen dauerhaften Charakterwandel: Figuren, die nicht mehr zur Geschichte passen oder den Produzenten wohl zu langweilig erscheinen, werden kurzerhand umgeschrieben.

Kein neues Phänomen. Während der Siebzigerjahre durchlief Major Burns (Larry Linville) in der Kriegscomedy «M*A*S*H» gleich mehrere Charakterwandlungen. Mal war er einfach nur fies, mal etwas empathisch, und kurz vor seinem Serienaus wurde Burns vollends zum Slapstick-Trottel. Oder nehmen wir die Neunzigerjahre-Serie «Spin City»: Mike Flaherty (Michael J. Fox), der spitzbübische Vize-Bürgermeister New Yorks, führt in der ersten Staffel der Comedyserie eine funktionierende Beziehung zu einer Journalistin. Auf einmal zieht diese nach L. A. – und lässt einen fortan beziehungsunfähigen Chauvinisten zurück.

Jüngstes Beispiel einer solchen Arschlochmetamorphose: In der Comedy «The Mindy Project» jagt eine Gynäkologin (Mindy Kaling) ihrer grossen Liebe nach – in Gestalt des Arbeitskollegen Danny Castellano (Chris Messina). Zu Beginn der vierten Staffel gibts ein Baby zur Krönung, Happy End, das wars. Wie weiter? So besser nicht: In wenigen Folgen mutiert der bärbeissige Danny zum ultrakatholischen Patriarchen, der sogar versucht, seine Freundin gegen ihren Willen zu schwängern, weil ihm ein Heimchen am Herd im Grunde viel gelegener käme.

Ich wage jetzt mal die Behauptung, dass die entsprechenden Drehbuchautoren ziemlich launische Zeitgenossen sind.

Alle Folgen des Serienjunkies finden Sie hier. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2016, 11:31 Uhr

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