Blind Date im Museum

16 Kulturbetriebe der Stadt Bern organisieren neu ein «Blind Date». Nein, es geht nicht ums Flirten, sondern darum, das Publikum hinter die Kulissen zu führen und mitmachen zu lassen.  

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Mirjam Comtesse

Bereits die Eintrittskarte sieht geheimnisvoll aus: Sie ist schwarz, mit wenig silberfarbigem Text. «Blind Date. Eine Kulturentführung» steht darauf. Wer ein Billett gekauft und sich online angemeldet hat, erfährt im Lauf des Veranstaltungstages per SMS, wo er sich am Abend einfinden soll.

Klar ist nur, dass man in einer der 16 Berner Kulturinstitutionen landen wird, die bei diesem Event mitmachen. Darunter sind nebst anderen das Theater an der Effingerstrasse, das Museum für Kommunikation, Konzert Theater Bern und die Heitere Fahne. Rund siebzig Interessierte liessen sich am Wochenende auf das Blind-Date-Abenteuer ein. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Bei einer waren wir dabei. 

Ein Workshop für Kulturbegeisterte

Wir treffen uns auf einem Platz in der Stadt Bern. Wo der ist und welchen Betrieb wir besuchen, sei an dieser Stelle nicht verraten, damit es auch für künftige Teilnehmer spannend bleibt. Es wird sofort geplaudert und gescherzt, obwohl sich die wenigsten vorher schon gekannt haben. Schliesslich laufen wir los.

Am Zielort gibt es zunächst etwas Werbung für die Institution, doch dann geht es an die Arbeit. Denn die Blind Dates sind im Grunde Workshops für Kulturaffine, die mal hinter die Kulissen von Theater, Museen und Co. blicken und dort mithelfen wollen. Wer einen Abend erwartet hat, bei dem er sich einfach zurücklehnen und zuschauen kann, der wird enttäuscht werden.

Die Organisatoren führen uns in ein Archiv. Unsere Aufgabe: Für eine nächste Ausstellung sollen wir Postkarten thematisch ordnen. 3000 solcher Karten, die teilweise fast hundert Jahre alt sind, aber auch modernere aus den 1980er- und 1990er-Jahren stehen zur Auswahl. In kleinen Gruppen stöbern wir im Fundus und suchen passende Themen.

Eines der Teams stellt Karten mit besonders viel Text solchen mit extrem wenig Text gegenüber. Den Preis für Minimalismus hätte die Nachricht «Molti Saluti Ticino» gewinnen können. Nur seinen Namen hat der Verfasser einst noch dazugeschrieben. Die von uns kuratierten Sammlungen werden bei der nächsten Ausstellung tatsächlich gezeigt werden – allenfalls ergänzt mit weiteren Sujets. 

Lockerer Austausch über Kultur

Zum Abschluss ist an einem weiteren Standort ein Apéro für uns aufgetischt. Dort erfahren wir, was die anderen drei Gruppen in ihren Kulturbetrieben gemacht haben: Eine durfte Texte aus dem Hochdeutschen ins Berndeutsche übersetzen und umgekehrt; in einer anderen versuchte man, Kontakt untereinander aufzunehmen, ohne zu sprechen, und eine dritte stellte mit Farben und Mustern Experimente an.

In ihrer Abschlussrede erklärt Alessandra von Aesch vom Kulturvermittlungsstammtisch der Stadt Bern dann, was das Ziel der Blind Dates ist: Es gehe darum, miteinander ins Gespräch über Kultur zu kommen, auf lockere Art.

Der Stammtisch hat das Blind Date initiiert. Um neue Begegnungen zu fördern, teilen die Organisatoren auch Pärchen und Familien, die sich gemeinsam anmelden, verschiedenen Gruppen zu. Erst am Ende kommen alle wieder zusammen – und können sich über das Erlebte austauschen. 

Weitere Blind Dates: 1. März, 1. Juni, 1. September 2019. Billette gibt es in der Äss-Bar. Folgende Institutionen machen mit: Theater an der Effingerstrasse, Schweizer Schützenmuseum Bern, Kunst- und Kulturhaus Visavis, Alpines Museum der Schweiz, Hochschule der Künste Bern, Museum für Kommunikation, Schlachthaus-Theater Bern, Konzert Theater Bern, Dampfzentrale Bern, Junge Bühne Bern, Nationalbibliothek, Kunsthalle Bern, Theater Matte, Heitere Fahne, Grosse Halle,Spinnerei.  

Berner Zeitung

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