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Stromkonzern expandiertBKW erzielt rekordhohen Gewinn von 404 Millionen Franken

Der Berner Energiekonzern verdiente 2019 deutlich mehr im Stromhandel. Konzernchefin Suzanne Thoma verdient trotzdem etwas weniger.

Vor der Stilllegung brachte das AKW Mühleberg der BKW nochmals viel Geld ein.
Vor der Stilllegung brachte das AKW Mühleberg der BKW nochmals viel Geld ein.
Foto: Beat Mathys

Die BKW hat 2019 das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Der Reingewinn erreichte 404 Millionen Franken. Das ist das Doppelte des Vorjahresergebnisses. Werden die 2018 verbuchten Sondergewinne aus dem Primatwechsel in der Pensionskasse ausgeklammert, ist es sogar das Zweieinhalbfache. Der Umsatz nahm um 7 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken zu.

Die BKW wandle sich erfolgreich zur internationalen Energie- und Infrastrukturdienstleisterin, schreibt das Unternehmen. Verdient hat die Gruppe aber vor allem am Stromhandel und an den Netzen. Die BKW produzierte auch mehr Strom; schliesslich lief das AKW Mühleberg letztes Jahr vor der Stilllegung ausnahmsweise ununterbrochen.

Dank dem optimalen Zusammenspiel zwischen Produktion, Handel und Vertrieb sei die Ertragskraft im Energiegeschäft substanziell gestiegen, erklärt Konzernchefin Suzanne Thoma. Dies trotz erneut negativer Strompreiseffekte von 120 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn (Ebit) dieser Sparte stieg um 60 Prozent auf 227 Millionen Franken. Das zweite Stammgeschäft, das Netzgeschäft brachte einen leicht gesunkenen Betriebsgewinn von 174 Millionen Franken ein.

Im Dienstleistungsgeschäft erreichte der Betriebsgewinn 72 Millionen Franken. Das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz in dieser Wachstumssparte stieg um 26 Prozent. Er überschritt mit 1,106 Milliarden Franken erstmals die Milliardenschwelle.

24 Firmen gekauft

Allein im vergangenen Jahr tätigte die BKW gemäss Geschäftsbericht zwei Dutzend Übernahmen von Infrastrukturdienstleistern wie Ingenieurbüros oder Gebäudetechnikfirmen. Die drei grössten Akquisitionen waren die Gebäudetechnikfirma Swisspro sowie die deutschen Firmen Ingenhoven Architects und LTB Leitungsbau. Allein für Swisspro legte die BKW einen Kaufpreis von 130 Millionen Franken auf den Tisch. Insgesamt betragen die Kaufpreise 356 Millionen Franken.

Das internationale Netzwerk im Dienstleistungsgeschäft umfasst inzwischen über 100 Firmen. Die ganze BKW Gruppe beschäftigte Ende 2019 nunmehr gut 10'000 Mitarbeitende. Seit 2014 hat sich die Mitarbeiterzahl verdreifacht.

Zum Rekord beim Reingewinn trug auch die ausgezeichnete Performance der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für Atomkrafwerke bei. Die BKW schlägt der Generalversammlung eine Erhöhung der Dividende von 1.80 auf 2.20 Franken pro Aktie vor.

Weniger hoher Lohn für die Chefin

Die Gesamtvergütung von Konzernchefin Thoma betrug letztes Jahr 1,76 Millionen Franken. Damit bestätigen sich Recherchen dieser Zeitung. Im Vorjahr hatte die Summe rekordhohe 2,03 Millionen Franken betragen, was viel Kritik aus Politik und Gesellschaft an der Salärpolitik des vom Kanton kontrollierten Konzerns auslöste. Gesunken ist das Chefinsalär nun allerdings insbesondere, weil einmalige Nachzahlungen an die Vorsorge weggefallen sind.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet die BKW ein leicht tieferes Betriebsergebnis in der Bandbreite von 380 bis 400 Millionen Franken. Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft im Allgemeinen und die BKW im Speziellen liessen sich zurzeit aber nur schwer abschätzen. Die robuste Aufstellung der BKW im Energie- und Dienstleistungsgeschäft werde aber auch hier von Vorteil sein, hiess es.