Zum Hauptinhalt springen

Wirtschaftliche Corona-FolgenBerns Sorgenkind Nr. 1 ist die Hotellerie

Eine Auswertung der Auswirkungen von Corona auf Arbeitsmarkt, Wirtschaft und den Tourismus in Bern zeigt: Besonders dramatisch sieht die Lage bei der Stadthotellerie aus.

Die Stadt Bern verzeichnet seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einen massiven Rückgang bei den Logiernächten.
Die Stadt Bern verzeichnet seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einen massiven Rückgang bei den Logiernächten.
Foto: Adrian Moser

Trotz der absehbaren verheerenden Folgen von Corona für die Wirtschaft: Zumindest bis jetzt blieb die Stadt Bern von einer Konkurswelle und einem markanten Anstieg der Arbeitslosigkeit verschont. Das geht aus einer Analyse von Statistik Stadt Bern zu den Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und den Tourismus in der Bundesstadt hervor.

Im Oktober lag die Arbeitslosenquote in der Stadt Bern bei 3,2 Prozent – um 0,9 Prozent höher als im Oktober vor einem Jahr. Dies entspricht gleichzeitig dem Trend des gesamten Jahres seit dem Ausbruch der Pandemie: Statistik Stadt Bern zufolge liegt die Arbeitslosenquote nämlich seit April immer ungefähr 1 Prozentpunkt über den jeweiligen Vorjahreswerten.

Ähnlich verhält es sich mit den Firmenkonkursen. Anders als es auf den ersten Blick zu erwarten wäre, ist auch die Anzahl der Konkurseröffnungen gegenüber 2019 nur gering gestiegen, von 56 auf 64. Betrachtet man die gesamte Region Bern-Mittelland, so ist die Zahl an Konkursen mit 133 gegenüber 153 im Vorjahr sogar rückläufig.

Mittel der Kurzarbeit wirkt

Die Erklärung für das bisherige Ausbleiben von Entlassungswellen und Konkursen liegt auf der Hand: Die Mittel des Bundesrats im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus scheinen zu wirken. Darunter besonders eine Massnahme: die der Kurzarbeit.

Ein Blick in die Analyse zeigt: In der Stadt Bern wurde vom Angebot der Kurzarbeit rege Gebrauch gemacht. Im März und April, als die erste Covid-Welle über die Schweiz rollte, wurden gemäss den Statistikern in der Stadt Bern von Arbeitgebern 73’000 Gesuche um Kurzarbeit gestellt, während es in den Monaten vor dem Lockdown praktisch keine gab. Ein höherer Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Stadt dürfte jedoch spätestens dann drohen, wenn die Firmen dereinst die vom Bundesrat von 12 auch 18 Monate verlängerte Höchstbezugsdauer der Kurzarbeit erreicht haben werden.

Anzahl Logiernächte im freien Fall

Bereits jetzt dramatisch präsentiert sich indes die Lage der Stadtberner Hotellerie: Wie in der restlichen Schweiz ist auch in Bern die Anzahl der Logiernächte während der ersten Welle eingebrochen. Doch während in den Folgemonaten viele Hotels in den Bergregionen von einem verstärkten Strom an Inlandtouristen profitieren konnten, sorgte der Komplettausfall des Geschäftsreisetourismus, die Absagen von Berner Messen, Kongressen oder Grossveranstaltungen bei der Stadthotellerie für leere Zimmer.

Im September wurden in Bern knapp 37’000 Übernachtungen gebucht – 2019 waren es noch über 75’000.

So verzeichneten die Berner Stadthotels von Juli bis September nur gerade halb so viele Logiernächte wie im Jahr zuvor. Nur gerade knapp 37’000 Übernachtungen wurden gebucht – 2019 waren es noch über 75’000. Am stärksten ins Gewicht fällt hier das Ausbleiben von Gästen aus dem Ausland: Ihre Buchungen gingen um drei Viertel zurück. Dennoch blieben den Berner Statistikern zufolge die allermeisten der 35 Hotels in der Bundesstadt die ganze Zeit seit März über geöffnet – zumindest bis jetzt: So gab erst kürzlich der Kursaal bekannt, dass er sein Hotel und seine Restaurants wegen der drohenden Verluste für zwei Monate schliesst.