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Zoff im Höfli

27 Jahre lang lud das Hoffest zu Beginn der Sommerferien hinter die Spanische Weinhalle. Jetzt zügelt der Anlass: weil sich das OK und der Betreiber einer Bar nicht einigen können.

2015 herrschte hinter dem James noch Feierstimmung. Inzwischen ist es dort vorbei mit dem Frieden.
2015 herrschte hinter dem James noch Feierstimmung. Inzwischen ist es dort vorbei mit dem Frieden.
Marcel Bieri

Die Meldung geht in der langen Mitteilung fast ein bisschen unter. Von «drei Abenden, drei Frauen, drei unverkennbaren Stimmen» ist die Rede. Vom Datum gleich zu Beginn der Sommerferien, an dem das Langenthaler Hoffest über die Bühne ­gehen werde. Und erst dann: dass das Fest allerdings nicht mehr wie gewohnt im Hof direkt hinter der Spanischen Weinhalle stattfinde.

Nach 27 Jahren im Höfli zügelt das Hoffest an der bevorstehenden 28. Ausgabe nun ein paar Meter weiter aufs Areal der Kuert/Druck Digital Druckcenter AG hinter dem Manor. «Aus organisatorischen Gründen», wie das OK in seiner Mitteilung erklärt.

Kommunikation erloschen

Organisatorische Gründe? Schon auch, sagt OK-Präsident Rolf Dünki. So habe man etwa die in die Jahre gekommene Dachkonstruktion, die fürs Fest jeweils über dem Höfli aufgebaut wird, erneuern müssen. Das sei allerdings höchstens noch das i-Tüpfelchen gewesen, das zur Verlegung des Festes geführt habe. Mitorganisator Urs Zurlinden nickt: «Tatsächlich steckt dahinter ein Riesenkonflikt.»

Dicke Luft. Die hat es im Höfli in den letzten Jahren immer wieder mal gegeben. Mittlerweile liesse sie sich offenbar sogar schneiden, bestätigt René Marti. Erst letzten Sommer hat der Braui-Wirt gemeinsam mit Gaby Ambühl auch das James übernommen, wie die Weinhalle ebenfalls genannt wird.

Schon am ersten Tag habe ihm der Betreiber der benachbarten Hofbar ein Hausverbot erteilt. Inzwischen sei die Kommunikation gänzlich erloschen. Weswegen es letztlich auch unmöglich gewesen sei, bezüglich des bevorstehenden Hoffestes auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

«Eine Tradition»

Es liege in der Tradition des Fes­tes, dass für die gastronomischen Belange jeweils der Wirt oder die Wirtin der Spanischen Weinhalle zuständig sei, erklären die Organisatoren. Benachbarte Lokale könnten sich höchstens mit einer eigenen Bar mit vereinbarten Preisen beteiligen. Anfangs schien das für Hofbar-Pächter Sacha Meier offenbar kein Problem darzustellen. Zwei Jahre lang habe er sein Lokal den Organisatoren sogar als Backstagebereich zur Verfügung gestellt, sagt Zurlinden.

«Tatsächlich steckt dahinter ein ­Riesenkonflikt.»

Urs Zurlinden, OK Hoffest

2017 dann habe Meier plötzlich Forderungen gestellt. Ob es am zwischenzeitlich erfolgten Wirtewechsel im James lag, können die Hoffestorganisatoren nur mutmassen. Eine nicht unbedeutendere Rolle spielte sicher der Konflikt, der sich zwischenzeitlich zwischen Rolf Dünki und Sacha Meier entfacht hatte. Denn der OK-Präsident ist zugleich Meiers Vermieter.

Gekündigt und ausgesperrt

2013 hat Dünki die Liegenschaft übernommen und die anfänglich von zwei Gerantinnen betriebene Bar 2015 schliesslich dem heutigen Betreiber verpachtet. Noch Ende 2016, Meiers Management GmbH war kurz zuvor in Konkurs gegangen, erneuerte er das Mietverhältnis mit ihm auf privater Basis sogar noch einmal. Ein Schritt, den er heute gerne rückgängig machen würde, beklagt sich Dünki wie Marti über Lärm und chaotische Zustände, die angeblich von der Hofbar ausgehen sollen.

Seit etwas mehr als einem Jahr liegt sich er mit seinem Pächter jetzt in den Haaren. Letzten Sommer versuchte er dessen Mietvertrag deshalb auf Ende Juli 2017 zu künden. Doch Meier focht die Kündigung an, will einen drei­jährigen Kündigungsschutz erwirken. Vom Pächter mittlerweile ebenfalls mit einem Hausverbot belegt in der eigenen Liegenschaft, habe er das «juristische Geplänkel» inzwischen sistieren lassen, sagt Dünki.

«Ich bin sehr enttäuscht»

«Das ist eine lange Geschichte», bestätigt Sacha Meier den Konflikt mit dem Vermieter und das schlechte Verhältnis auch mit James-Wirt René Marti. Dass er nicht länger bereit sei, seine Bar während des Hoffestes einfach so zu schliessen, habe damit aber nichts zu tun. Vielmehr störe er sich an der Art, wie die Organisatoren mit ihm als Wirt umgehen würden. «Während ich den Laden schliessen soll, verdienen sie sich dumm und dämlich.» Damit sei er nicht länger einverstanden.

«Während ich den Laden schliessen soll, verdienen die sich dumm und dämlich.»

Sacha Meier, Pächter der Hofbar

Auch Pia Gerquina, Martis Vorgängerin im James und seit 12 Jahren Betreiberin der benachbarten Bar 55, übt am Vorgehen des OK Kritik. Mit ihrer Bar sei sie früher immer miteinbezogen worden. Nun dürfe sie nicht mehr mitmachen. «Ich bin sehr enttäuscht.» Leider sei eine Kommunikation auch mit Gerquina nicht möglich gewesen, sagt indes ­Marti. Seitens des OK sei man nämlich durchaus offen gewesen fürs Gespräch.

Geld oder Techno

Wie auch immer. 2017 konnten sich die Hoffestorganisatoren mit Sacha Meier noch einigen: auf eine tägliche Abgeltung von 1000 Franken, damit Meier sein Lokal während des Hoffestes geschlossen hielt. Mit demselben Betrag trat das OK auch heuer wieder an Meier heran. Doch diesmal wollte dieser darauf nicht mehr eingehen. 4000 Franken pro Abend sollten ihm die Festbetreiber nun abgelten.

Zurlinden greift zur E-Mail-Korrespondenz, in der Meier erklärt, welche Schritte er sonst in Erwägung ziehe. Den Betrieb einer eigenen Bar mit eigenen Preisen auf seinem Vorplatz mitten im Festgelände erachtet er als eine Option. Das Organisieren eines Events mit lautstarkem Techno während des Hoffestes eine andere.

Das OK griff deshalb zu Plan B. Und lässt das Fest nun eben auf dem benachbarten Areal steigen. Eine Beilegung des Konflikts ist in absehbarer Zeit offenbar nicht zu erwarten. Er hoffe, dass sein Pächter die Bar dereinst aus anderen Gründen aufgeben müsse, sagt Rolf Dünki. Damit das Hoffest schon bald wieder ins Höfli zurückkehren könne. «Denn dort gehört es hin.»

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