Thun

Wie weiter mit der Eisbahn Grabengut – Pro und Kontra

ThunDie Meinungen von TT-Redaktoren Michael Gurtner und Roger Probst zu Sanierung und Umbau der Eisbahn Grabengut.

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Jetzt handeln statt Utopie nachhängenMichael Gurtner

Zugegeben: Eigentlich wäre die Idee eines Sportclusters in Thun-Süd bestechend. Eigentlich. Wenn man sie schon vor Jahren hätte umsetzen (und finanzieren) können. Mittlerweile ist die Stockhorn-Arena mit Mantelnutzung längst gebaut. Für die Kunsteisbahn hat der Thuner Gemeinderat 2011 einen klaren und fundierten Entscheid gefällt: Sie soll am heutigen Standort bleiben.

Der Gewinn aus dem Verkauf der Liegenschaften wäre schlicht zu gering. Ein teurer Eisbahnneubau in Thun-Süd würde nochmals eine Mantelnutzung in der Grössenordnung des Panorama-Centers nötig machen – ansonsten wäre er kaum finanzierbar. Eine solche zusätzliche Mantelnutzung ist aber völlig unrealistisch. Und würde erst noch einen beträchtlichen Teil des Sportcluster-Areals für eine sportfremde Nutzung beanspruchen. Die Planungsrisiken sind gross. So ist ein Kunsteisbahn-Neubau utopisch.

Millionen wären verloren

Kommt hinzu: In der Zwischenzeit wurde kräftig in die Eisbahn im Grabengut investiert – etwa in die Eisaufbereitungsanlage oder den Architekturwettbewerb. Diese Millionen an Steuergeldern wären verloren, sollte sich der Stadtrat jetzt noch gegen den Standort Grabengut entscheiden. Auf Jahre hinaus würde nichts Konkretes gehen.

Dabei ist die Situation für die (Freizeit-)Sportler im Grabengut schon heute kaum zumutbar. Die Vereine beklagen nicht nur dringenden Handlungsbedarf bei Garderoben, sanitären Einrichtungen, Restauration. Sie weisen auch auf Defizite bei den Rettungswegen und Brandschutzeinrichtungen hin. Ein weiterer Grund, weshalb es im Stadtrat ein Ja zum Projektierungskredit für Umbau und Sanierung der Kunsteisbahn braucht.

Natürlich würde sich das Areal der heutigen Kunsteisbahn direkt neben der Altstadt auch für andere Nutzungen eignen. Auf der anderen Seite lebt eine Innenstadt auch von einem breit gefächerten Angebot – hier eben inklusive Sport.

Über 55 000 Personen pro Jahr besuchen die Eisbahn. Mit dem HC Dragon ist eine der grössten Eishockey-Nachwuchsorganisationen des Landes hier beheimatet. Und ein Anlass wie das Rocket Air lockt jedes Jahr Tausende in die Thuner Innenstadt. Mit ei­ner geschlossenen Halle wäre gerade in Sachen Sommernutzung noch einiges möglich.

Das sanierte Grabengut ist der Spatz in der Hand. Der Sportcluster Thun-Süd – gerade was die Eisbahn betrifft – die Taube, die noch nicht mal auf dem Dach gelandet ist. Sondern irgendwo hoch oben am Himmel herumflattert.

Mutig in die Zukunft investierenRoger Probst

Die Kunsteisbahn Grabengut hat die besten Tage hinter sich. Und zwar nicht erst seit gestern. Die Sanierung wird teuer – egal, welche Va­riante schliesslich umgesetzt wird. Und sie bleibt so oder so ein Flickwerk.

Auch die Lachenhalle ist in die Jahre gekommen. Ersatz ist dringend nötig. Doch wo? Die Lösung liegt auf der Hand. In Thun-Süd ist der perfekte Platz dafür, einen Sportcluster zu realisieren – also ein Ort, wo mehrere Sportanlagen konzentriert werden. Dank der Stockhorn-Arena ist das Gebiet bereits erschlossen. Es liegt am Stadtrand und bei einer Autobahnausfahrt. In Thun-Süd hat es zudem genügend Freiraum, um mehrere Sportstätten zu bauen.

Nicht in der höchsten Liga

Die Stadt Thun sieht sich gerne als Sportstadt. Sie mischt bei den populären Sportarten Fussball und Handball an der nationalen Spitze mit. Doch in Sachen Sportinfrastruktur spielt sie bei weitem nicht in der höchsten Liga. Nach langem und zähem Ringen wurde zumindest die Stockhorn-Arena gebaut. Die Eishockeyaner, Handballer und Wassersportler warten dagegen immer noch auf den längst fälligen Schritt in die Neuzeit.

Die Idee, Stadien an den Stadtrand zu bauen, ist nicht neu. Unsere Vorfahren haben es auch schon gemacht. Zuerst das Grabengut, dann das Lachen. Es waren Sportstätten ausserhalb der Wohnzonen. Heute, nach Jahrzehnten des Wachstums, sind die Stadien mitten in der Stadt – und damit nicht mehr am richtigen Ort. Die Areale könnten besser genutzt werden, die Konflikte im Zusammenhang mit Lärmemissionen würden mit einem Schlag der Vergangenheit angehören.

Klar, die Realisierung eines Sportclusters wäre teuer. Das Geld für bisherige Planungen und bereits gemachte Investitionen – zum Beispiel in die Kunsteisbahn Grabengut – müssten sich die Thuner Steuerzahler ans Bein streichen. Und es würde (noch mehr) Zeit verstreichen, bis die Baumaschinen auffahren. Aber ein Sportcluster ist deutlich weitsichtiger und nachhaltiger in der Stadtentwicklung als teure Sanierungen in bestehender Infrastruktur.

Manchmal braucht es einen Schritt zurück, um dann zwei Schritte vorwärts zu machen. Drum: Lieber jetzt einen Marschhalt einlegen und über einen mutigen Schritt für einen Sportcluster sprechen, als sich dann später in den Hintern beissen, weil aus rein finanziellen Überlegungen die schlechtere Variante gewählt wurde.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 29.08.2018, 06:09 Uhr

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