Vereine statt Polizisten im Ringhof

Ein neuer Verein möchte im Ringhof nach dem Auszug der Kantonspolizei ein «Haus der Vereine» einrichten. Gleichzeitig zielt der Vorstoss auf die Praxis des Kantons, Liegenschaften auf dem freien Markt zu verkaufen.

Ideen für den Ringhof: Christa Ammann und Viktor Hirsig.

Ideen für den Ringhof: Christa Ammann und Viktor Hirsig.

(Bild: Nicole Philipp)

Christoph Hämmann

So ein Haus wird nicht alle Tage frei: Laut Denkmalpflege ist der Ringhof am Nordring ein «vorzüglicher Bau der Fünfzigerjahre». Und diese Dimensionen: Auf fünf Stockwerken arbeiten rund 300 Angestellte der Kantonspolizei, bis sie 2025 in Niederwangen einen Neubau beziehen.

Danach will der Kanton das Gebäude «aufgeben», wie er letztes Jahr bekannt gab. «Wir reden von 200 kleineren und grösseren Räumen», sagt Christa Ammann, Stadträtin der Alternativen Linken (AL). «Und von drei Unter­geschossen mit weiteren Räumen, die prädestiniert wären für Musikübungsräume.»

Mit einer Motion verlangt Ammann, dass im Ringhof nach dem Auszug der Kantonspolizei ein «Haus der Vereine» entsteht. Am nächsten Mittwoch gründen sie und andere einen Verein, der danach für dieses Anliegen weibeln soll. Interessierte seien eingeladen, an der Gründungsversammlung teilzunehmen.

Wohnen, Kunst, Gewerbe

Vorbild sind die «Maisons des associations» in der Romandie. Gerade in der Hauptstadt mit vielen Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und Vereinen bestehe ein grosses Bedürfnis nach günstigen Büroräumen, Sitzungszimmern und der Nutzung von Synergien, ist Ammann überzeugt. «An eine erste Infoveranstaltung im Juni kamen über 30 Personen, bunt gemischt, aus kleinen und grösseren Organisationen.»

An vorderster Front mit dabei ist der Verein läbigi Lorraine (VLL). «Ein ‹Haus der Vereine› wäre eine quartierverträgliche Nutzung, von der die ganze Stadt profitieren würde», sagt VLL-Vorstandsmitglied Viktor Hirsig. «Genau das schwebt auch uns vor.» Angesichts der Grösse des Gebäudes sehen Ammann und Hirsig zudem Platz für vieles mehr: Wohnprojekte, Co-Working, Raum für Kunst und Gewerbe, Schulungsräume.

Gegen behördliche Spekulation

Da der Ringhof dem Kanton gehört, hat das Engagement von AL und VLL eine weitere Dimension: die Politik von Bund und Kanton, frei werdende Gebäude an die Meistbietenden zu verkaufen, wie zuletzt die ehemalige Eidgenössische Alkoholverwaltung und eine Kantonsliegenschaft an der Münstergasse, nach deren Verkauf Gemeinderat Michael Aebersold (SP) den Kanton der «Spekulation» bezichtigte.

Ammann und Hirsig hoffen auf die Motion von SP-Grossrat Stefan Jordi im Kantonsparlament, die ein Vorkaufsrecht der Standort­gemeinden verlangt. «Das ist kein linkes Anliegen», sagt Ammann. «Auch bürgerliche Grossräte wohnen in Gemeinden, in denen es ein Bedürfnis nach bezahlbaren Räumen und Wohnraum gibt.»

Auch für ihre Motion im Stadtrat rechnet sich Ammann gute Chancen aus, ist diese doch nicht nur aus den Reihen von SP und GB, sondern auch von GFL/EVP und GLP mitunterzeichnet worden. Selbst wenn der Kanton beim Ringhof nicht mit sich reden liesse, wäre eine Annahme von Ammanns Vorstoss der Durchbruch für ein «Haus der Vereine». Wo auch immer es sich dann realisieren liesse.

Mehr Infos: ringhof-bern.ch

Berner Zeitung

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