Um ihn sorgt sich die Vogelzüchterszene

Oberwangen

Heute geht es um einen Vogel. Genauer um den Frisé Suisse. Die vierte Vogelschau der Region Bern stand ganz im Zeichen des zierlichen Tiers – das akut vom Aussterben bedroht ist.

Er ist vom Aussterben bedroht: Der edle Frisé Suisse.

Er ist vom Aussterben bedroht: Der edle Frisé Suisse.

(Bild: Andreas Blatter)

Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

Heinz Kripahle ist eine beeindruckende Erscheinung: breite Schultern, mächtiger Schnauzer, strenger Blick. Dass dieser Mann einem äusserst filigranen Hobby nachgeht, gibt man ihm zunächst nicht. Erst recht nicht, wenn man seinen krachenden Händedruck verpasst bekommt.

Doch dann beginnen Kripahles Augen zu leuchten, als er den kleinen Vogel im Käfig vor ihm fixiert. Das zierliche Geschöpf trippelt nervös auf seiner Stange hin und her. «Jedem Vogelzüchter liegen seine Tiere sehr am Herzen», sagt Kripahle in einem fast väterlichen Ton. Seine Begeisterung für das gefiederte Geschöpf ist förmlich greifbar.

«Schön, wie der arbeitet»

Er erzählt von der aufwendigen Arbeit, der Hingabe und den unzähligen Stunden, die seinesgleichen in die Aufzucht steckten. Kripahle ist Vogelzüchter mit Leib und Seele. So wie alle, die ihre Tiere an diesem Wochenende in der Mehrzweckhalle Oberwangen ausstellen. An der vierten Vogelschau der Region Bern, organisiert von den Ziervogelvereinen Ornis Bern, Kanaria Bern und dem Verein Schweizerischer Berner Kanarienzüchter.

Beim Gang durch die Halle kommt Heinz Kripahle, der als OK-Präsident im Einsatz steht, gar nicht mehr aus dem Erzählen heraus. Ein Käfig reiht sich an den nächsten. Über 700 Vögel in jeder erdenklichen Farbe und Form flattern und zwitschern hinter den Gitterstäben. Fingergrosse, braune Finken etwa. Oder elegante blaue Wellensittiche. Einige Tiere stellen beim Vorbeigehen stolz die Federn. Andere picken seelenruhig nach Futter.

Egal ob es um das Brutverhalten von Exoten, die richtige Kreuzung von hellen und «intensiven» Kanarien oder die Bewertungskriterien der Juroren geht: Kripahle gibt so manche Anekdote von sich. Er weiss, wovon er spricht. Viermal wurde er bereits Weltmeister mit seinen Berner Kanarien.

Bei einem Käfig bleibt er schliesslich stehen. «Ganz schön, wie der gerade arbeitet», sagt er und deutet auf den gelben Vogel, der zunächst einen eher zerzausten Eindruck macht. Es ist ein echter Frisé Suisse. Der Name rührt vom langen, dünnfädigen Federkleid her, welches der Vogel wie eine Frisur trägt.

Population schwindet

Der Frisé «arbeitet» also. Will heissen: Das Tier richtet seine Schwanzfeder aus und nimmt dabei eine sichelförmige Haltung ein. «Typisch für den Frisé», erklärt Kripahle, der das Verhalten des Vogels kritisch beäugt.

Auch Kripahle hat einige Frisés an die Ausstellung mitgebracht. Er ist einer der Letzten, die sie noch züchten. Schweizweit gibt es nur noch eine Handvoll, die es ihm gleichtut. Die gesunde Vergrösserung der Population sei entsprechend schwierig und die «Inzucht ein Problem», so Kripahle.

Der Schweizer Frisé, der seinen Ursprung in Basel hat, wo er erstmals gezüchtet und 1880 offiziell als eigenständige Kanarienrasse anerkannt wurde, gilt als akut bedroht. Das erklärte Ziel der Berner Vogelschau ist es, auf die vom Aussterben bedrohte Art aufmerksam zu machen.

Züchter sollten überzeugt werden, die Art zu erhalten. Daneben versuchten die Veranstalter eine breitere Öffentlichkeit für ihr Hobby begeistern. Ein entscheidender Punkt für OK-Präsident Kripahle. In seiner markigen Art und mit einem Augenzwinkern sagt er: «Eine Vogelschau ist immer auch ein wenig ein Treffen der Fachidioten.» Zu ihnen zähle er selbst auch.

Neue Mitglieder sind gesucht

Ein Blick in die grosse Halle genügt, damit man versteht, was er damit meint: Viele der Anwesenden sind selbst Züchter und gehen ihrem Hobby bereits seit Jahren nach. Entsprechend haben sie ein gewisses Alter erreicht. Mit einer ernsteren Miene ergänzt Kripahle: «Wir haben ein Nachwuchsproblem.» Die drei Veranstaltervereine hoffen deshalb, mit der Ausstellung neue Mitglieder anzuziehen.

Damit wäre auch dem Frisé Suisse geholfen. Bevor er weitermuss, blickt Heinz Kripahle nochmals auf den gelben Vogel im Käfig und sagt: «Eine echte Schweizer Kanarienrasse – es wäre doch schade, wenn sie einfach so verschwindet.»

Informationen zur Ziervogelzucht sowie den Berner Zuchtvereinen gibt es unter www.ornis-bern.ch.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt