Langnau

Todd Elik sorgte für ordentlich Spektakel

LangnauKaum einer hat bei den Emmentaler Hockeyfans für so viele Emotionen gesorgt wie Todd Elik. Ein Rückblick.

Ein freundlicher junger Mann: So präsentierte sich Todd Elik im August 1998 den Leserinnen und Lesern der BZ.

Ein freundlicher junger Mann: So präsentierte sich Todd Elik im August 1998 den Leserinnen und Lesern der BZ. Bild: Hans Wüthrich

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In der Berner Zeitung vom Dienstag, 11. August 1998, war zu lesen: «Langnau ist eine schöne Stadt, nicht sehr gross, aber nett.»Der das sagte, war ein 32-jähriger Kanadier, seit ein paar Tagen erst weilte er in der Region.

Auf dem Bild lächelte einem ein durchaus attraktiver Mann entgegen, dunkle Augen, die Haare keck nach hinten frisiert. Er trug ein weisses T-Shirt, und hinter ihm war unschwer das Emblem der damals noch SC Langnau genannten Tigers zu erkennen. Todd Elik war angekommen.

Von Lugano nach Langnau

Der Eishockeyprofi kam, sah und siegte. Er eroberte nicht nur die Herzen der Fans im Sturm, er erkämpfte als Center auch unzäh­lige Assists und Tore für die Langnauer. Und wie bescheiden er war: «Ich möchte meinem Team helfen, in der NLA zu bleiben, das ist das Wichtigste für mich.»

So beantwortete Elik die Frage nach seinen persönlichen Zielen. Dass er Eishockey spielen konnte, musste der Mann niemandem mehr beweisen: 583 Spiele hatte er in der NHL, der nordamerikanischen Profiliga, absolviert. Bevor er nach Langnau kam, war er eine Saison in Lugano angestellt.

«Bad Guy»

Auch wenn Todd Elik nicht aussergewöhnlich lange für die Tigers spielte – er wirkt nach. Immer noch. Unvergessen sind seine Leistungen, aber auch seine Ausraster. Schon im Beitrag von 1998 merkte der Autor an, dass Elik in den 46 Spielen mit dem HC Lugano 234 Minuten auf der Strafbank verbracht hatte. Das sind beinahe vier ganze Partien.

Diese Bilanz hatte ihm den Ruf des «Bad Guy» eingetragen. Ein Ruf, den er zwar nicht mochte, den er aber auch in Langnau nicht loswurde. Zu oft hatte er auf dem Eis seine Emotionen nicht unter Kontrolle, zu oft zeigte er allzu deutlich, was er vom Schiedsrichter, von seinen Gegnern oder deren Fans hielt.

Natürlich blieb das überschäumende, ja unkontrollierte Temperament des Kanadiers den gegnerischen Spielern nicht verborgen. Elik wurde gezielt provoziert – und stieg immer wieder darauf ein. Und ja, manchmal wusste er auch als Privatmann nicht so recht, wo die Grenzen des guten Benehmens sind.

«Ich tue mein ­Bestes, um die Mannschaft stärker zu machen.» Todd Elik

Das Image des Ungeliebten, des ewig Geplagten sorgte dafür, dass sich die Fans nur umso mehr für Todd Elik einsetzten. Er gab ihnen das Gefühl, einer der Ihren zu sein, für sie einzustehen.

Elik löste im Emmental eine Begeisterung aus, wie es lange vor und nach ihm keiner mehr geschafft hat. Er war ein Ausnahmespieler, ein Genie auf Kufen. Elik konnte ganze Partien allein entscheiden.

Stand er auf dem Eis, gab er alles, kannte er keine Rücksicht – mit den Gegnern nicht, aber auch nicht mit sich selber. Umso mehr regte er sich auf, wenn er das Gefühl hatte, seine Kollegen setzten sich nicht bis aufs Letzte für den Erfolg ein.

Dreimal im Tigers-Dress

Todd Elik trat in der Saison 1998/1999 bei den Tigers an, blieb bis 2000 und wechselte dann zum EV Zug. Von dort kehrte er 2002 ins Emmental zurück. 2003/2004 spielte er für Davos, dann für den SC Langenthal. 2005 zog er ins Ausland, zuerst nach Innsbruck und dann zu Olimpija Ljubljana.

Im Jahr 2009 stieg Elik zum letzten Mal in den Dress der SCL Tigers. Er war gekommen, um den Emmentalern dabei zu helfen, die Playoffs zu erreichen. In einem Interview sagte er: «Ich tue mein Bestes, um die Mannschaft stärker zu machen und vorwärtszubringen. Ich hoffe, dass ich diesbezüglich keinen Zweifel hinterlasse.»

Und auf die Frage, welchen Wunsch er hätte, sagte Elik: «Mit den SCL Tigers Meister zu werden.» Und ja, er glaube daran, dass das gelingen könne. Es gelang nicht. Elik zog weiter zum HC Thurgau und dann wieder ins Ausland.

Am 7. November 2011 berichtete diese Zeitung unter dem Titel «Der stille Rücktritt des ‹Ilfis-Gretzky›» über das Karriereende von Todd Elik. Er war im Sommer, ohne es offiziell zu kommunizieren, zurückgetreten. Seither hat er unter anderem in einem Stahlwerk gearbeitet und sich in St-Imier als Trainer versucht. So richtig wollte ihm die Lancierung seiner Karriere an der Bande bis jetzt aber nicht gelingen.

Der Familienvater

Todd Elik. Ein Mann der Gegensätze. Ein Mann, der Grenzen auslotete. Entweder man liebte oder man hasste ihn. Ein genialer Eishockeyspieler, ein Haudegen, ein Draufgänger. Aufbrausend und laut. Aber auch ruhig, freundlich, liebenswert: Vor Jahren erzählte eine Arbeitskollegin, in Langnau gehe immer ein junger Mann mit zwei kleinen Kindern spazieren.

Sie habe ihn schon oft gesehen und gedacht, das sei wohl ein Arbeitsloser. Bis ihr eines Tages ein Licht aufging. Wer da vor ihrem Fenster durchflanierte, war kein Arbeitsloser. Es war Familienvater Todd Elik, der Zeit mit seinen Kindern verbrachte.

Die SCL Tigers haben Eliks ­Rückennummer 12 gesperrt. Das heisst, kein anderer Spieler wird bei den Emmentalern je wieder diese Nummer tragen dürfen. Eine Ehre, die der Kanadier mit nur drei anderen teilt: Torhüter Martin Gerber, Verteidiger Daniel Aegerter und dem unterdessen verstorbenen Stürmer Walter Gerber. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 11.08.2018, 07:05 Uhr

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