Picknick mit dem Kochkünstler

In «Der grosse Glander» von Stevan Paul wird viel gegessen. Wobei sich die Hauptperson erst vom Künstler zum Koch mausern muss.

Warum nicht ein Glas Wein zum Buch?

Warum nicht ein Glas Wein zum Buch?

(Bild: Fotolia)

«Cabernet Sauvignon! Was riechen wir? Ich sag’s dir, Gustav: Cassis! Schon wieder Schwarze Johannisbeeren. Und gerösteten roten, ich sage roten, gerösteten Paprika. Etwas Vanille, einen Hauch von Zimt und Anis!»

Gustav Glander ist im New York der 1990er-Jahre ein Star – Sammler und Kritiker stürzen sich auf seine Eat-Art-Bilder, auf denen man Fleischstücke direkt aus dem Schlachthof sieht. Doch Erfolg bereitet Glander Unbehagen. Er taucht unter und viele, viele Jahre später wieder auf, um sich von einem Koch belehren zu lassen: «Da schwimmt noch ein Zweig Rosmarin, zwei Nadeln eher. Zack! Darunter kann man sich doch jetzt etwas vorstellen!»

Der erste Roman des Foodjournalisten Stevan Paul liest sich wie ein rasantes Roadmovie, das gar keines ist. Auch wenn der Journalist Gerd Möninghaus den Glander durch Deutschland und die halbe Schweiz jagt, erfolglos, dies sei hier noch vermerkt. Nein, die Geschichte von Gustav Glander, der im Allgäu geboren wird und nach New York und dann in den Untergrund auswandert, ist gar kein Roadmovie, eher ein nervöses Picknick, nervös in dem Sinne, dass man einfach nicht zur Ruhe kommt. Weil es bei diesem Picknick Unglaubliches zu essen gibt und zu trinken.

Stevan Paul ist gelernter Koch und vermag Küchenszenen, von denen es in «Der grosse Glander» einige gibt, so zu beschreiben, dass man die Kartoffeln, die «intensiv erdig-nussig nach Kartoffel schmecken» geradezu riecht und sich etwa sicher ist, dass einen der Duft des «schneeweissen rahmigen Pürees aus getrocknetem Kabeljau und winzigen Fenchelwürfeln in bitterscharfem Olivenöl» in der Nase kitzelt.

Paul hat ein leidenschaftliches Plädoyer fürs Kochen und alle Köche geschrieben. Und natürlich fürs Geniessen. So sollte das Buch auch gelesen werden: aufmerksam und mit Genuss. Vielleicht begleitet von einem Glas Cabernet Sauvignon.

nk

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